Herr Freimuth, Sie haben kürzlich gesagt, dass Sie selbst ein ziemlich schlechter Schüler waren. Stimmt das oder war das Koketterie?
Doch, das stimmt. Ich hatte im Abschlusszeugnis in Sport, Musik und Kunst eine Eins, in allen anderen Fächern eine Vier, in Chemie gar eine Fünf und eine Drei in Physik, Philosophie und Englisch. Das ergab eine 3,6 im Schnitt und war die zweitschlechteste Note des Jahrgangs. Soweit ich mich erinnere zählten Sport, Musik und Kunst damals noch nicht für die Abi-Note.
Mussten sich Ihre Eltern sorgen, dass Sie hängen bleiben?
Nein. Sie hatten Vertrauen und wollten natürlich, dass ich nicht hängen bleibe. Wenn es in einem Fach brenzlig wurde, weil ich eine Fünf geschrieben hatte, musste ich Gegenmaßnahmen ergreifen, beispielsweise habe ich einmal in Latein wochenlang jeden Abend zwanzig Vokabeln gelernt und wurde von meiner Mutter abgefragt. Im Folgejahr bekam ich eine Drei in Latein.
Wie hat Ihr Abitur Ihre Studienwahl beeinflusst?
Gar nicht. Einen Numerus Clausus gab es damals, glaube ich, nur in Medizin. Aber ich wusste, dass ich das nicht studieren wollte, sonst hätte ich mich natürlich mehr angestrengt. Physik war eines der Fächer, die in Betracht kamen, außerdem noch Germanistik und Philosophie. Generell bin ich wohl jemand, der in schulischen Systemen nicht gut lernt. Auch an der Uni bin ich praktisch nie in Vorlesungen gegangen. Stattdessen habe ich mir die Skripte besorgt, viel gelesen und ansonsten das gemacht, was mich interessierte, also außer Physik vor allem Musik.
Nach 18 Jahren als Rektor gehen Sie bald in den Ruhestand. Was sind die drei Highlights aus Ihrer langen Amtszeit?
Eines der großen Highlights ist, dass die Universitäten im Vergleich zum Anfang meiner Zeit als Rektor sehr viel selbstständiger geworden sind, mehr Autonomie haben und freier agieren können. Durch diese erhöhte Freiheit konnten wir an der Uni Köln die Professorenbesoldung international wettbewerbsfähig gestalten und die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre erheblich verbessern. Ein Ergebnis ist, dass wir heute national und international viel besser dastehen. Wie sehr uns die Autonomie zu besonderen Leistungen befähigt hat, wurde zum Beispiel in der Corona-Pandemie sichtbar, wo wir es in wenigen Wochen geschafft haben, die Lehre fast vollständig auf digitale Formate umzustellen. So viel Flexibilität hätte uns kaum jemand zugetraut.
Ein weiteres Beispiel für Flexibilität war die Bewältigung des Doppel-Abitur-Jahrganges im Jahr 2013, den wir reibungslos bewältigt haben, obwohl wir innerhalb kürzester Zeit die Kapazität, also vor allem Lehrkräfte und Lehrflächen, um 30 Prozent hochfahren mussten.
Als Folge dieser Entwicklungen sind wir heute weiter vom Elfenbeinturm der Wissenschaft entfernt als jemals zuvor. Die Universitäten – insbesondere die Universität zu Köln – sind heute wesentlich stärker gesellschaftlich vernetzt.
Was ist das zweite Highlight?
Das ist der bedeutende Erfolg, den die Universität zu Köln in der Forschung errungen hat. Das umfasst nicht nur die Exzellenzinitiative, sondern die Qualität der Forschung insgesamt. Wir haben eine Vielzahl an herausragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern berufen, wir haben mit 16 Sonderforschungsbereichen so viele wie noch nie und zusätzlich vier Exzellenzcluster. In Deutschland hat nur die Universität Bonn mehr. Das zeigt, dass wir inzwischen national zu den forschungsstärksten Universitäten gehören.
Gehört die sogenannte Bologna-Reform – die europaweite Vereinheitlichung von Studiengängen und -abschlüssen, die auf die Schaffung eines einheitlichen Europäischen Hochschulraums zielt – auch dazu?
Auf jeden Fall. Die Umstellung auf die neuen Studiengänge war von Anfang an in meiner Amtszeit eine immense Herausforderung und beschäftigt uns noch heute, beispielsweise bei der gerade laufenden Systemakkreditierung der Uni Köln. Neben der Neugestaltung der Studiengänge war die flächendeckende Einführung von Graduiertenschulen wichtig, über die wir die Rahmenbedingungen für die Promotion neu gestaltet haben.