Die Universitäten Bonn (Optik) und Köln (Materie) arbeiten an der Verwirklichung dieser Konnektoren, die die instabile Information auf Quantenebene übermitteln können. Die Wissenschaftler*innen des Clusters können dabei zum Beispiel Erfolge im sogenannten Electron Shuttling verzeichnen, einer Methode, die Information, die auf den Elektronen gespeichert wurde, zu senden. Auch beim Problem der Fehleranfälligkeit der Quantenrechner hat der Cluster einiges beizutragen: In Zusammenarbeit mit Forscher*innen von der ETH Zürich konnten deutliche Verbesserungen erreicht werden. Methoden zur Fehlerkorrektur sind schon seit den 1930er Jahren bekannt. Sie wurden bei klassischen Computern allerdings nie angewendet, da diese sehr robust und zuverlässig rechnen. Nun kommen die Fehlerkorrekturprotokolle bei den Quantencomputern zum Einsatz. Doch da die Fehlerkorrektur selbst recht komplex ist und so weitere Störungen in das System bringen kann, passiert es leicht, dass sie das Problem verschlimmert, statt es zu verbessern, erklärt David Gross: »Wir benutzen hier sehr bescheidene Worte. Wir sagen nicht, dass wir einen Weg gefunden haben, die Fehler des Quantencomputers zu korrigieren. Aber wir kommen jetzt in die Richtung, wo es sich nicht verschlimmert, wenn wir Fehlerkorrektur machen.«
Eine neue Art, Daten zu verarbeiten
Obwohl die Forschungen am Quantencomputer Schritt für Schritt vorangehen, wollen die Wissenschaftler auch weiter den großen Sprung versuchen und nach einem Heiligen Gral des Quantencomputings suchen: dem sogenannten Majorana-Qubit. Dieses – bis jetzt nur theoretisch existierende – Qubit würde ein einzelnes Bit von Informationen in zwei sogenannten Quasiteilchen kodieren, den Majorana Fermionen. Theoretisch sollte diese Art von Speicherung der Quanteninformation nicht so instabil sein wie die bisher gebauten Qubits.
Alexander Altland erklärt, wovon viele Wissenschaftler *innen im Cluster träumen: »Dieses Qubit ist extrem schwer herzustellen, wir haben da noch nicht mal die Materiegrundlagen im Griff. Aber wir haben hier in Köln mit Professor Dr. Yoichi Ando einen der weltweit führenden Experten sowie einige Arbeitsgruppen in Jülich. Wir wollen es irgendwie schaffen, das Ding zu bauen.« Gross fügt hinzu: »Wenn wir es nicht bauen können, wollen wir wenigstens endgültig zeigen, dass es nicht funktioniert. Das wäre ein Ergebnis, mit dem wir weniger, aber auch zufrieden wären.«
Sowohl David Gross als auch Alexander Altland sind sich einig, dass mit Quantencomputing eine »disruptive« Technologie am Horizont erscheint, so wie es der klassische Computer oder die Lasertechnik einst waren: ein »game changer«, der vollkommen neue, heute unvorstellbare Technologien hervorbringen wird. Doch wie diese Technik genau funktionieren wird, welche Funktionen sie erfüllen und wie die Menschheit daraus Nutzen ziehen wird, sei noch nicht klar. Altland: »Wir arbeiten an einer Technologie, die man auf diesem Planeten noch nicht gesehen hat. Es wird etwas kommen, was wir uns nicht vorstellen können. Und weil wir es uns nicht vorstellen können, können wir es auch noch nicht ankündigen.« David Gross ergänzt: »Das ist nicht einfach ein schneller klassischer Computer, es ist eine völlig neue Art, Daten zu verarbeiten.«
Der Exzellenzcluster »Matter and Light for Quantum Computing« (ML4Q) wurde 2019 im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder an den Universitäten Köln, Aachen und Bonn sowie dem Forschungszentrum Jülich eingerichtet. Ziel von ML4Q ist es, neue Rechen- und Netzwerkarchitekturen auf der Grundlage der Quantenmechanik zu entwickeln. ML4Q baut auf der komplementären Expertise der Partnerinstitutionen in den drei zentralen Forschungsbereichen (Festkörperphysik, Quantenoptik und Quanteninformatik) auf und erweitert sie, um die beste Hardware-Plattform für Quanteninformationstechnologie sowie umfassende Pläne für ein funktionierendes Quanteninformationsnetzwerk zu entwickeln.