So alte, rare Funde sind besonders wertvoll, denn sie können einerseits Lücken im Jahrringkalender schließen. Andererseits geben sie Auskunft über das Klima zu der Zeit. Daten über Sommertemperaturen und Niederschläge können für bestimmte Jahre aus den Isotopenmessungen im Massenspektrometer rekonstruiert werden. Doch dendrochronologische Forschung allein reicht nicht aus, um das Klima der Vergangenheit zu rekonstruieren, betont der Archäologe.
Zunächst müssen Forscherinnen von der Gegenwart aus zurückblicken: Anhand von Holzproben aus Zeiten, in denen es bereits Klimaaufzeichnungen gab – etwa die letzten 150 Jahre – können sie Klimadaten und Merkmale der Hölzer korrelieren. Finden sie bei wesentlich älteren Holzproben dieselben Merkmale, so haben damals wahrscheinlich ähnliche klimatische Bedingungen geherrscht. Aber ganz sicher ist das nicht. »Deshalb müssen zusätzliche Proxydaten herangezogen werden, also andere Quellen, die diesen Befund stützen oder ihm widersprechen«, sagt Frank. »Wir arbeiten heute mit sogenannten Multiproxyanalysen. Wir schauen auch, was uns Meeres- und Seesedimente, Eisbohrkerne und Höhlenminerale aus dieser Zeit über das Klima sagen.« Aus diesen kombinierten Daten muss sich ein belastbares Gesamtbild ableiten lassen.
Harte Jahre für unsere Vorfahren
Die Eichenbohlen der jungsteinzeitlichen Brunnenkästen liefern wertvolle Hinweise. Die Anlagen stammen aus der Zeit zwischen 5050 und 5100 v. Chr. und waren bis zu fünfzehn Meter tief. Die Isotopenverhältnisse ihrer Jahrringe weisen auf kurzfristige Klimaschwankungen innerhalb weniger Jahre hin: Zwischen 5.350 und 5.098 v. Chr. wechselten sich feuchte und trockene, warme und kühle Phasen ab, in verschiedenen Kombinationen. Auffällig ist nach einer feucht-kühlen Phase zwischen 5.126 und 5.113 v. Chr. ein abrupter Umschwung in den Jahren 5.106 und 5.105, mit rapidem Abfall der Feuchtigkeit und gleichzeitig starkem Temperaturanstieg. Danach scheinen sich die Verhältnisse wieder zu »normalisieren«.
Solche Umschwünge können für ackerbauliche Gesellschaften sehr dramatisch gewesen sein. »Klimaschwankungen haben Einfluss auf Fauna und Flora, die die Ernährungsgrundlage bilden. Das war vermutlich sehr hart für die Menschen. Aber sie haben offensichtlich Lösungen gefunden, sodass wir heute noch hier sind«, sagt Frank.
Forschungsboom erwartet
Viele Funde werden wohl nicht mehr bei Thomas Frank landen. Bis zum Jahresende wird er das Labor noch leiten, dann geht er in den Ruhestand. »Ich werde die neue Leitung aber sicherlich noch unterstützen. Das ist keine Aufgabe, die einen einfach so loslässt«, resümiert er seine letzten zwölf Berufsjahre. In seiner Zeit als Leiter des Forschungsarchivs seit 2008 hat Frank den Umzug des Dendrolabors aus einem alten Stall in der Nähe von Lohmar in die luftige Industriehalle in Köln- Lindweiler organisiert. Der alte Lagerort war viel zu klein, und zudem völlig ungeeignet um die wertvollen Holzproben aufzubewahren und dem wissenschaftlichen Zugriff zu öffnen.