Das Team konzentrierte sich in den Folgeanalysen auf die zwei Proteine IFB-2 und EPS-8, bei denen sie im Vorfeld ausgemacht hatten, dass die Markierung durch Ubiquitin während des Alterungsprozesses von C. elegans fehlte. Erhöhte Proteinmengen von IFB-2 führen zum Beispiel dazu, dass der Darm nicht richtig verdaut, Nährstoffe nicht aufnehmen kann und zudem anfälliger für bakterielle Infektionen ist. Tatsächlich reichte es aus, die Menge von IFB-2 im erwachsenen Fadenwurm zu verringern, um wieder eine normale Darmfunktion zu erreichen. Beim Protein EPS-8, das sich in den Zellen beispielsweise auf Muskelfunktion und Beweglichkeit auswirkt, stellten die Wissenschaftler:innen fest, dass zu viele dieser Proteine die Zelle starr macht. Die Verringerung von EPS-8 in der Zelle führte ebenso zu einer Verbesserung der Beweglichkeit.
»Wir haben eine neuartige Verbindung zwischen dem Altern und Veränderungen der Proteinzusammensetzungen in der Zelle hergestellt. Das Gleichgewicht der Zellen, das durch das Zusammenspiel aus Ubiquitinierung, Deubiquitinerung und Proteasom geregelt wird, beeinflusst die Langlebigkeit der Zellen und in der Folge die des ganzen Organismus«, sagt David Vilchez. Mit ihren Erkenntnissen konnten die Forscher:innen die Lebensdauer der Fadenwürmer, die in der Regel etwa 19 Tage überleben, um drei bis vier Tage verlängern. Also um fast ein Fünftel.
Das Ziel: den Alterungsprozess verzögern
Ein Dasein in Balance ist also das A und O für ein langes Leben – auch auf Zellebene. Dem gegenüber steht die sinnbildliche Verwahrlosung und der letztendliche Zelltod durch eine höhere Aktivität der Deubiquitinierung. Wie wichtig das Gleichgewicht der Proteine für den Alternsprozess ist, ist nun also bekannt. Auch in menschlichen Zellen sind die jeweiligen Proteine und Prozesse zu finden. Doch ob, und wenn ja wie, auch beim Menschen dieses Zusammenspiel gezielt beeinflusst werden kann, muss noch untersucht werden. Auch, um auf dieser Grundlage Therapien oder Medikamente entwickeln zu können.
Es liegt also noch viel Grundlagenforschung vor David Vilchez und seinem Team – und vor Forschungsgruppen weltweit. Die Wissenschaftler:innen am CECAD haben jedenfalls im Verlauf ihrer Arbeit einen umfassenden Datensatz über jegliche durch Ubiquitin markierten Proteine zusammengetragen. Dieser Datensatz bildet ein wichtiges Fundament für die weitere Forschung, da ist Vilchez sich sicher: »Unsere Erkenntnisse könnten in Zukunft neue Wege aufzeigen, um den Alterungsprozess zu verzögern, bestenfalls zu regulieren und so die Lebensqualität im Alter zu verbessern.«