Vor allem China ist stark in den Handel involviert. Chinesische Sägewerke vor Ort kaufen Stämme ein und verarbeiten sie, ehe sie nach China verschifft werden. Die Preisspanne ist enorm. Den lokalen Autoritäten aus den Dörfern muss pro gefällten Baum gewöhnlich 100 Zambian Kwacha gezahlt werden – das entspricht rund 5 Euro. Die Sägewerke wiederum kaufen das Holz von Holzhändlern für ca. 150 Euro pro Kubikmeter, wobei ein ausgewachsener Baum mehrere Kubikmeter liefert. Die chinesischen Händler verkaufen die Stämme auf dem Weltmarkt wiederum für das 10- bis 20-fache. Es ist eindeutig, wer in diesem Fall am meisten profitiert. Zudem war Rosenholz in Sambias westlicher Provinz unter dem traditionellen Forstgesetz eine geschützte Baumart. Der Baum durfte aufgrund seiner tragenden Früchte, die als wichtige Nahrungsquelle dienten, nicht gefällt werden. Nicht nur fällt durch die Abholzung des Baumes heute eine wichtige Nahrungsquelle weg, die Kleinbauern aus den Dörfern geben an, dass die Fruchtbarkeit der Böden beeinträchtigt wird, wodurch sie Schwierigkeiten haben, genug Ernte zu produzieren. Natur- und Umweltschutz – also die Regelung und das Management der natürlichen Ressourcen – haben hier reale wirtschaftliche Auswirkungen. Bessere und gerechtere Abbaulizensierungen können dabei helfen, diese Auswirkungen für die lokale Bevölkerung verträglicher zu gestalten.
Viele NGOs wie der WWF, aber auch die Regierungsministerien der Anreinerstaaten, versuchen daher mittlerweile Komitees auf lokaler Ebene zu gründen, in die Vertreter aus den Dörfern gewählt werden. »Gerade im Südwesten Sambias haben die traditionellen Autoritäten, also die Chiefs, sehr viel Macht«, sagt Alexiou. »Das hat auch die Regierung mittlerweile erkannt: Wenn sich wirtschaftliche Akteure um Abbau- oder Nutzungslizenzen bewerben und die Chiefs nicht zustimmen, funktioniert es nicht. Das betrifft das Holz, aber auch andere Ressourcen der Region.« Durch die Komitees und die Einbeziehung der lokalen Autoritäten haben diejenigen, die vor Ort betroffen sind, mehr Mitbestimmungsrecht und können ihre Themen selbst in die Debatten einführen.
Auch wenn es noch nicht überall reibungslos verläuft: Auf verschiedenen Ebenen gibt es die Bestrebungen, durch mehr Partizipation und besseres Ressourcenmanagement Profite gerechter zu verteilen und vor Ort zu halten. Und lokale Mitbestimmung kann dazu beitragen, die ökologischen Auswirkungen von Ressourcennutzungen besser abzuschätzen und zu minimieren.
Die Interessen von Mensch und Tier auszugleichen und zu verhindern, dass global gefragte Rohstoffe unkontrolliert abgebaut und außer Landes gebracht werden – das sind nur zwei der drängenden Fragen, mit denen sich Michael Bollig und sein Team befassen. Doch die am Beispiel des KAZA Schutzgebiets gewonnenen Erkenntnisse können weltweit helfen, den Naturschutz voranzubringen – zum Wohle der Menschen und der gesamten Flora und Fauna.
REWILDING THE ANTHROPOCENE
Das Forschungsprojekt wird seit Januar 2022 im Rahmen eines ERC Advanced Grant für Professor Dr. Michael Bollig vom Europäischen Forschungsrat mit insgesamt knapp 2,5 Millionen Euro gefördert.
Das 2011 gegründete KAZA Schutzgebiet ist für seinen zukunftsweisenden Naturschutz weltweit bekannt. Das Forschungsprojekt erfasst die sich verändernden sozio-ökologischen Beziehungen zwischen Menschen und anderen Arten in einem der größten und umfassendsten Naturschutz- Experimente der Welt. Es besteht aus sechs Feldstudien, die unter anderem Elefanten und verschiedene Karnivoren, aber auch mikroben- und virusübertragene Krankheitserreger in ihren dynamischen Beziehungen zu menschengemachten Umweltinfrastrukturen und -technologien, Organisationen und auch wissenschaftlichen Aktivitäten vor dem Hintergrund der Naturschutzmaßnahmen thematisieren.
Rewilding the Anthropocene kooperiert eng mit dem Global South Studies Center (GSSC) und mit dem Kölner Sonderforschungsbereich TR228 »Future Rural Africa«, der zu den Auswirkungen von Landnutzungswandel, ökologischen Dynamiken und sich verändernden Gesellschaften im östlichen und südlichen Afrika arbeitet.
Weitere Infos:
GSSC | Global South Studies Center
Prof. Dr. Michael Bollig