Klaus Meerholz sieht das große Potential der organischen Solarzellen vor allem in der Indoor-Photovoltaik. In Innenräumen werden häufig Geräte betrieben, die nur wenig elektrische Energie benötigen, wie beispielsweise Sensoren oder Messgeräte. Energie von der Raumbeleuchtung oder dem einfallenden Tageslicht könnte genutzt werden, um diese Geräte zu betreiben. »Organische Zellen können das Lichtspektrum in Innenräumen zehnmal besser ausnutzen als Zellen aus Silizium, weshalb sie sich für solche Indoor-Anwendungen besonders gut eignen«, erläutert Meerholz.
Mehr Leistung im Doppelpack
2009 entdeckte die Forschung ein weiteres Material für Solarzellen. »Es war ein bisschen wie ein Wahn in der Wissenschaft. Jeder wollte da mitmachen, jeder wollte einen neuen Rekord aufstellen. Es gab eine Goldgräberstimmung«, sagt die Physikerin Olthof. Die Rede ist von der Materialklasse der Perowskite. Durch intensive Forschung an Solarzellen aus Perowskit konnte ihr Wirkungsgrad von anfangs 3 Prozent auf nunmehr 22 Prozent gesteigert werden. Zwar sind Perowskitzellen bisher immer noch nicht praxistauglich, da ihre Haltbarkeit stark begrenzt ist. Sie haben aber gegenüber anderen Arten von Solarzellen einen gewichtigen Vorteil, der dafür spricht, dass weiter an ihnen geforscht wird. Perowskit-Solarzellen können nämlich das Sonnenlichtspektrum besonders gut absorbieren.
Auf der Basis von Messungen im Labor kann das Perowskitmaterial gezielt »zusammengebaut« werden und die Forschenden legen fest, welcher Wellenbereich des Lichtspektrums absorbiert werden soll. Die Perowskitzelle kann dadurch die verfügbare Sonnenenergie sehr gut ausnutzen. Darüber hinaus kann Perowskit in Flüssigkeiten gelöst werden, sodass Solarzellen aus Perowskit wie rein organische Zellen im Druckverfahren auf flexiblen Folien hergestellt werden können. Ein solches Verfahren benötigt bedeutend weniger Energie als die Herstellung von Siliziumzellen.
Perowskit – Das Mineral besitzt eine spezifische Kristallstruktur mit einem meist kubischen Gitter. Für die Herstellung von Perowskitzellen werden halbleitende, blei- und jodhaltige Perowskitkristalle mit hauchdünnen organischen Schichten gestapelt.
Auch wenn eine einzelne Perowskitzelle schon einen beachtlichen Wirkungsgrad hat, lässt sich ihre Effizienz noch weiter steigern. Im »Doppelpack« werden diese Solarzellen nämlich noch leistungsfähiger. Dafür werden zwei oder mehr Solarzellen, zum Beispiel zwei Perowskitzellen, zu einer sogenannten Tandem-Solarzelle »gestapelt«. Indem die einzelnen Zellen jeweils für unterschiedliche Bereiche des Sonnenlichtspektrums optimiert werden, kann eine Tandem-Solarzelle die Sonnenenergie noch besser ausnutzen. »Die Herausforderung besteht darin, das Material so anzupassen, dass die obere Zelle möglichst viel Sonnenlicht absorbiert und dabei genügend Licht und elektrische Energie zu der unteren Zelle durchlässt«, erklärt Selina Olthof.
Die Lösung dafür steht im Keller des Instituts: eine futuristisch anmutende, raumfüllende Apparatur aus Edelstahl, mit zahlreichen Rohren, Hebeln, Schläuchen sowie Luken aus Glas. »Das ist unser Photoelektronenspektrometer«, erläutert Olthof. »Damit sehen wir, ob sich die Elektronen ohne Barriere zwischen den beiden Zellen bewegen. Wir können so die 1,5 Nanometer dünne Schicht aus Indiumoxid, die beide Zellen bestmöglich optisch und elektrisch verbinden soll, den sogenannten Interconnect, exakt anpassen. «
Im letzten Jahr gelang es den beiden Kölner Arbeitsgruppen zusammen mit Wissenschaftler*innen der Universität Wuppertal sowie anderer Hochschulen und Forschungseinrichtungen, eine Tandem-Solarzelle aus Perowskit und organischen Absorberschichten mit einem Wirkungsgrad von 24 Prozent zu entwickeln – ein Weltrekord für diese Materialkombination. Die Messungen von Olthof und ihrem Team mit dem Photoelektronenspektrometer haben hier wesentlich dazu beigetragen die Schicht, welche die beiden Einzelzellen im Tandembauteil verbindet, zu optimieren.
»Es gibt nicht viele Standorte weltweit, die so viele verschiedene Tools und das notwendige Knowhow an einer Stelle vereinen, wie wir hier an unserem Institut. Physiker*innen und Chemiker*innen arbeiten bei uns eng zusammen. Es kann dadurch sehr schnell gesagt werden, was und wie etwas erfolgreich realisiert werden kann«, sagt Meerholz.