Unter den 118 bekannten Elementen nimmt Technetium eine Sonderstellung ein. Es ist das erste Element, das jemals künstlich hergestellt wurde, und es steht, anders als die restlichen radioaktiven Elemente, in der Mitte des Periodensystems. In der Praxis wird vor allem das kurzlebige Technetium-99m für nuklearmedizinische Zwecke gewonnen und unter anderem für die Tumordiagnose genutzt. Mit seiner Halbwertzeit von nur 6 Stunden ist es aber für chemische Grundlagenforschung nur bedingt geeignet. »Zugang zum langlebigeren Technetium- 99 mit einer Halbwertzeit von 200.000 Jahren zu bekommen, ist gar nicht einfach«, sagt Zegke. »Die Anschaffung ist aufwendig und teuer, da es im Grunde nur am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee hergestellt wird.« Die Forschung am seltenen Element ist auch für die Uni Köln etwas Besonderes, denn in ganz Europa gibt es nur sehr wenige Einrichtungen, die überhaupt mit Technetium-99 arbeiten.
»Man kann sagen, dass wir Extremchemiker sind«, sagt Strub und spielt damit nicht nur darauf an, dass die beiden mit radioaktivem Material umgehen. Die Forscher haben die Technetium-Verbindung sogenannten Supersäuren ausgesetzt. Diese extrem starken Säuren führen dazu, dass das Technetium reagiert und bei der Reaktion mehrere Verbindungen und Zwischenstufen durchläuft, die bisher nicht oder nur unzureichend bekannt waren. Dabei durchlaufen die Verbindungen einen Farbwechsel – vom farblosen Ausgangszustand zu gelb, violett und grün. »Das ist nicht nur schön anzusehen, sondern hilft uns in der Grundlagenforschung das Element besser zu charakterisieren«, so Strub.