Pionierarbeit in der Wüste
Meteorologische Studien über die Atacama- Wüste sind aufgrund fehlender Messungen in diesem abgelegenen Gebiet bisher selten. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des SFB leisten Pionierarbeit und nutzen neben Fernerkundungsmethoden wie Satelliten, die vom Weltraum aus die Atacama beobachten, auch Instrumente, die vom Boden aus in die Atmosphäre schauen. Schween und seine Kollegen haben etwa ein Netz aus 15 gezielt platzierten Wetterstationen in der Wüste installiert.
Damit ist es erstmals möglich, viele meteorologische Parameter in der Atacama an verschiedenen Orten gleichzeitig zu beobachten und zu untersuchen, wie viel Wasser als Regen, Nebel oder Wasserdampf überhaupt in die Wüste gelangt. »Wir wissen, dass die Atacama seit Millionen von Jahren hyperarid ist, dennoch sieht man Spuren von Wasser: Bach- und Flussbetten, Schwemmfächer, Seeböden«, sagt Schween. »Die Stationen messen im Sekundentakt und liefern alle 10 Minuten Daten, die uns helfen zu verstehen, was Trockenheit in der Atacama eigentlich bedeutet.«
Neben den klassischen meteorologischen Daten wie Temperatur, Feuchte oder Wind sind die Stationen darauf spezialisiert zu ermitteln, wie groß die Energieflüsse sind: Wie stark die Einstrahlung durch die Sonne ist und wieviel Energie der Boden über Infrarotstrahlung wieder abgibt, oder wie stark sich die Bodenoberfläche aufheizt. Wie ist die Feuchte und Durchfeuchtung des Bodens in verschiedenen Tiefen? »Wir haben Blattfeuchte-Sensoren, die uns sagen, ob Nebel oder Tau Oberflächen benetzen. Damit können wir ableiten wie oft Nebel vorkommt, wie lange er andauert und wann und unter welchen Bedingungen er sich wieder auflöst.« Die Stationen stehen in verschiedenen Höhen und fangen an der Küste, also wenige Meter über dem Meeresspiegel an und gehen dann in verschiedenen Schritten bis auf 2.500 Meter hoch.
Windmessungen und Wolkenradar
Zusätzlich hat das Team einen Satz von Fernerkundungsinstrumenten für ein Jahr auf dem Flughafen von Iquique an der Küste installiert. Mit diesen Instrumenten lässt sich die Atmosphäre vom Boden aus vermessen. Ein Mikrowellen Radiometer erlaubt die Bestimmung von Temperatur und Feuchte, ein Wolkenradar liefert die Wolkenhöhen und Informationen über Größe und Anzahl der Tröpfchen in der Wolke und schließlich bestimmt ein Doppler-Lidar die Windgeschwindigkeit und -richtung in der Höhe.