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Die Universität zu Köln im Nationalsozialismus

Im Frühjahr 1933 schaltete sich die Universität zu Köln als erste Hochschule in Preußen selbst gleich. Das geschah unter dem Druck des sich etablierenden „Dritten Reiches“ und des politischen Umsturzes in Köln sowie unter tätiger Mithilfe von Professoren, die sich dem neuen Regime andienten. Rasch begannen rassistisch und politisch motivierte Säuberungen. Sie vertrieben jüdische wie politisch missliebige Studierende und Lehrende aus der Universität.

Ein Prozess der Nazifizierung der Hochschule setzte ein, der die akademische Selbstverwaltung aushöhlte und die Professoren zwang, sich zum Nationalsozialismus zu positionieren. Sie richteten ihre Lehre und Forschung je nach Fach unterschiedlich stark auf Ideologie und Ziele des NS-Regimes aus und engagierten sich im Zweiten Weltkrieg für eine Vielzahl „kriegswichtiger“ Projekte.

Zwar war die Universität zu Köln im „Dritten Reich“ weniger nazifiziert als etwa die Reichs- oder die Grenzlanduniversitäten. Es bei dieser Feststellung zu belassen, hieße jedoch zu relativieren, dass viele Kölner Professoren und größere Teile der Studierenden die Weimarer Republik abgelehnt hatten; dass sich die Hochschule in das NS-Regime einfügte und dieses von Anfang bis zum Ende mittrug; dass sich Lehrende wie Studierende, also wesentliche Teile der Eliten, mehr oder weniger auf den Nationalsozialismus einließen, der Vertreibung jüdischer und politisch missliebiger Studierender wie Lehrender nicht widersprachen und sich in unterschiedlichem Maß für das Regime und dessen Angriffskrieg selbst mobilisierten, dieses Engagement in der Nachkriegszeit verdrängten und das eigene Fehlverhalten lange Zeit nicht eingestanden. So war die Kölner Hochschule „keine NS-Paradeuniversität“, aber auch „kein Beispiel, das beruhigen könnte“ (Frank Golczewski).
 

Keine Zeit zum Vergessen

Unter diesem Motto erinnert seit Frühjahr 2026 eine Folie auf dem Infoscreen im Hauptgebäude-Foyer daran, dass in der NS-Zeit anstelle einer Tafel mit den Namen Spenderinnen und Spender des Hauptgebäudes eine Hakenkreuzfahne aufgestellt wurde.

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Erinnerung und historische Aufarbeitung

Die Universität zu Köln strebt eine verantwortungsbewusste, unabhängige Aufarbeitung ihrer Rolle im Nationalsozialismus an. So erklärte Rektor Prof. Dr. Axel Freimuth anlässlich der Wiederherstellung in der NS-Zeit unrechtmäßig aberkannter Doktorgrade 2005:

„Die Universität zu Köln stellt fest, dass durch Organe der Universität in den Jahren der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zwischen 1933 und 1945 im Namen der Universität aus politischen und rassistischen Gründen oder Motiven an Mitgliedern und Angehörigen der Universität Unrecht begangen worden ist.

Eine nachträgliche Korrektur oder eine Wiedergutmachung des begangenen Unrechts ist heute nicht mehr möglich, so dass sich die Universität von der eigenen Schuld nicht durch einen einmaligen Akt befreien kann, zumal die Aufklärung dieser Vorgänge, die Auseinandersetzung mit ihnen und die Übernahme der Verantwortung für das seitens der Universität verübte Unrecht mehr als ein halbes Jahrhundert versäumt worden ist.

Diese Akte der politischen Verfolgung haben die Menschenwürde verletzt. Sie waren willkürlich, menschenverachtend und einer Universität unwürdig. Sie widersprachen zutiefst den humanistischen Idealen, denen sich die Universität zu Köln heute verpflichtet fühlt. Die Universität hat sich an den Opfern dieser Willkürmaßnahmen schuldig gemacht und bekennt sich voller Scham zu ihrer Verantwortung.“

In diesem Sinn hat sich die Universität zu Köln mit ihrer Geschichte im Nationalsozialismus auseinandergesetzt und dazu verschiedene Forschungsprojekte unterstützt sowie eine Reihe weiterer Schritte zur Aufarbeitung getan:

1988

Forschungsprojekt „Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus“ mit Publikation

2005

Forschungsprojekt mit Studierenden „Doktorgrad entzogen!“ mit Publikation

2005

Nichtigkeitserklärung der Aberkennungen von Doktorgraden zwischen 1933-1945 

2007

Forschungsprojekt mit Studierenden „Zwischen Endsieg und Examen. Studieren an der Universität Köln 1943-1948“ mit Publikation

2008

Kolloquium des Universitätsarchivs „,1933‘ – Hochschularchive und die Erforschung des Nationalsozialismus“

2008

Forschungsprojekt „Die Universitäts-Frauenklinik Köln 1935-1946. Konkurrierende Ordnungsvorstellungen in Macht- und Wissensräumen“ mit mehreren Veröffentlichungen

2015

Festakt und gemeinsame Erklärung der Universitäten Wrocław und Köln in Wrocław zur Rehabilitation der in der NS-Zeit aberkannten Doktorgrade der schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau

2019

Gutachten zur NS-Vergangenheit institutioneller Einheiten, Auszeichnungen und Ehrungen an der Universität zu Köln

2019

Öffentliche Distanzierung von den zwischen 1933 und 1945 durch die Universität zu Köln verliehenen Ehrungen sowie von der Praxis der Ehrungen nach 1945, soweit diese etwaige NS-Belastungen von Geehrten nicht hinreichend berücksichtigt haben.

2019

Forschungsprojekte „Die Neue Universität zu Köln. Ihre Geschichte seit 1919“ und „Die Adenauers und die Universität zu Köln“ mit Publikationen

2023

Ausstellung des Universitätsarchivs zur Bücherverbrennung an der Universität zu Köln „Verbrannt. Verfemt. Verboten“ mit Publikation

2023

Forschungsprojekt „Die Medizinische Fakultät der Universität zu Köln in der NS-Zeit“ mit Publikation

2024

Forschungsprojekt „Die Universität zu Köln im Nationalsozialismus“ mit Publikation

2025

Projekt "Ermittlung von NS-Raubgut in der USB Köln" und Ausstellung „Spuren des Unrechts. NS-Raubgut in der USB Köln.“

Ausgewählte Publikationen

F. Golczewski, Kölner Universitätslehrer und der Nationalsozialismus. Personengeschichtliche Ansätze, Köln 1988.

M. Szöllösi-Janze und A. Freitäger (Hg.): „Doktorgrad entzogen!“ Aberkennungen akademischer Titel an der Universität Köln 1933 bis 1945, Nümbrecht 2005.

M. Szöllösi-Janze (Hg.): Zwischen 'Endsieg' und Examen: Studieren an der Universität Köln 1943-1948. Brüche und Kontinuitäten, Nümbrecht 2007.

L. Haupts: Die Universität Köln im Übergang vom Nationalsozialismus zur Bundesrepublik, Köln 2007.

A. Freitäger, „1933“ – Hochschularchive und die Erforschung des Nationalsozialismus. Beiträge des Kolloquiums aus Anlass des 40jährigen Bestehens des Universitätsarchivs Köln am 8. April 2008, Köln 2010.

H. Edelmann, Die Adenauers und die Universität zu Köln, Köln 2019.

Die Neue Universität zu Köln. Ihre Geschichte seit 1919, hg. v. H. Knoch, R. Jessen u. H.-P. Ullmann im Auftrag des Rektorats der Universität zu Köln, Köln 2019.

A. Freitäger: Verbrannt. Verfemt. Verboten. Die Bücherverbrennung am 17. Mai 1933 in der Kölner Universitätsgeschichte, Köln 2023.

R. Forsbach: Die Medizinische Fakultät der Universität zu Köln in der NS-Zeit, Köln 2023.

H.-P. Ullmann: Die Universität zu Köln im Nationalsozialismus. Wege einer städtischen Hochschulgründung zwischen später Weimarer Republik und früher Bundesrepublik, Göttingen 2024.