Dr. Agata Paluch ist zur W2-Professorin für Jüdische Studien der Vormoderne am Martin-Buber-Institut für Judaistik ernannt worden.
Professorin Paluch arbeitet an Themen der jüdischen Geistesgeschichte mit Schwerpunkt auf dem mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Mittel- und Osteuropa (Aschkenas). Ihre Forschungsinteressen liegen hauptsächlich an der Schnittstelle zwischen jüdischer Esoterik, Magie und Kabbala sowie jüdischer Buchgeschichte und materiellen Textkulturen. In ihrer Forschung nutzt sie handschriftliche und gedruckte Quellen, um Wissenszirkulationsprozesse zu untersuchen. Vor ihrer Berufung nach Köln leitete Agata Paluch die von der DFG geförderte Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe »Patterns of Knowledge Circulation« an der Freien Universität Berlin (2019-2025), die untersuchte, wie das Zusammenspiel von jüdischer Manuskriptkultur und frühem Buchdruck die Übermittlung esoterischen Wissens im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa prägte.
Agata Paluch promovierte 2013 am University College London in Hebräischen und Jüdischen Studien. Anschließend war sie als Katalogisiererin der bedeutenden hebräischen Handschriftensammlung der British Library tätig. In ihrer auf der Promotion basierenden Monographie »Megalleh 'Amuqot: The Enoch-Metatron Tradition in the Kabbalah of Nathan Neta Shapira of Kraków (1585-1633)« analysierte sie kabbalistische Traditionen im frühneuzeitlichen Polen.
Ihr aktuelles Buchprojekt »Everyday Kabbalah« untersucht populäre jüdische mystische und magische Traditionen, die in der Frühen Neuzeit in Mitteleuropa entstanden. Es befasst sich mit einer zentralen Herausforderung in der Geschichte religiöser Praxis und esoterischen Wissens: wie man die schwer fassbaren gelebten Erfahrungen historischer Laien bei begrenzter textueller und materieller Evidenz untersuchen und beschreiben kann.