In der Nachkriegszeit waren Papyri noch frei in Antiquariaten verkäuflich. Im Jahr 1973 akzeptierte Ägypten jedoch die UNESCO-Konvention von 1970 gegen die illegale Ausfuhr von Kulturgütern. Das verhinderte, dass das Land weitere wertvolle historische Gegenstände verlor. Seither muss jeder Händler nachweisen, dass der zum Verkauf angebotene Papyrus bereits vor dem Inkrafttreten der Konvention aus Ägypten ausgeführt worden war. Dies hält Armoni für absolut gerechtfertigt: »Durch den illegalen Handel von Artefakten werden die Herkunftsländer ihrer Kulturgüter beraubt. Außerdem ist bei dem unregulierten Verkauf der Papyri der genaue Fundort für viele Objekte nicht mehr nachvollziehbar. Ohne Kenntnis des Fundumfeldes gehen wertvolle Informationen verloren.« Einmaliger Zugang zur Alltagsgeschichte
Die meisten Papyri stammen aus dem ägyptischen Inland und aus einer Periode, die mit der ptolemäischen Herrschaft beginnt. Alexander der Große hatte Ägypten im Jahr 332 v. Chr. erobert. Nach seinem frühen Tod übernahm infolge der Diadochenkriege sein General Ptolemaios I. die Herrschaft und begründete eine Dynastie. So begann die makedonisch-griechische Epoche in Ägypten. Mit ihr hielten die hellenische Kultur und die griechische Sprache Einzug. Als die Römer die Herrschaft übernahmen, behielten die neuen Machthaber diese Amtssprache weitgehend bei. Das erklärt, warum fast alle Papyri in der Kölner Sammlung auf Altgriechisch verfasst sind. Die griechischrömische Herrschaft, die immer wieder durch ägyptische Aufstände und Bürgerkriege herausgefordert wurde, endete im 8. Jahrhundert mit der arabischen Eroberung.
Dass die Papyri nur im Inland erhalten geblieben sind, liegt an den klimatischen Bedingungen: Nur dort war es trocken genug. In Alexandria, der ersten Megacity des Altertums, ging dieser Schatz aufgrund des feuchten Meeresklimas verloren. Die Papyri sind ein wertvoller – oft sogar der einzige – Zugang zum alltäglichen Leben der griechisch-römischen Antike. Armoni: »Durch die Papyrologie können wir etwa erfahren, wie eine Kirche im frühen Christentum organisiert war. Darüber spricht kein bekannter literarischer Text aus der Zeit, weil deren Verfasser es als nicht wichtig genug einschätzten, diese Dinge für die Nachwelt festzuhalten.«
Diesen Wert der Papyri erkannten Altertumsforscher erstmals im 19. Jahrhundert. Die ersten Entdeckungen offenbarten viel an Informationen, doch oft konnten sie nur durch internationale Kooperation entschlüsselt werden: Während eine Institution ein Fragment besaß, hatte eine andere womöglich eins, das den Text vervollständigte und den Inhalt offenbarte. So entstand die amiticia papyrologorum, die Freundschaft der Papyrologen. »Ohne die funktioniert gar nichts«, sagt Charikleia Armoni.