Während OLEDs längst den Markt für Bildschirme erobert haben, stehen sowohl die Industrie als auch die Wissenschaft bei der nächsten Generation von Geräten mit noch höherer Farbsättigung, Helligkeit und Effizienz vor mehreren Herausforderungen. Die organischen Moleküle, aus denen OLEDs hergestellt werden, weisen breite Emissionsspektren auf. Das bedeutet, dass sie Licht über einen großen Wellenlängenbereich aussenden. Diese Eigenschaft schränkt den verfügbaren Farbraum und die Farbsättigung für High-End-Displays ein. »Durch Farbfilter oder optische Resonatoren können die Emissionsspektren von OLEDs künstlich verschmälert werden, um diese Problematik zu umgehen. Das geht jedoch entweder auf Kosten der Effizienz oder führt zu einer starken Abhängigkeit der wahrgenommenen Farbe vom Betrachtungswinkel «, erläutert Mischok.
Um dieses Problem zu lösen, fügten die Forscher*innen in die OLED-Struktur einen separaten dünnen Film aus stark lichtabsorbierenden Molekülen hinzu. Die zusätzliche Schicht maximierte den Effekt der starken Kopplung, ohne jedoch die Effizienz der licht-emittierenden Moleküle in der OLED wesentlich zu verringern. »Durch die Erzeugung von Polaritonen können wir einige der vorteilhaften Eigenschaften von Materie auf unsere OLEDs übertragen – unter anderem ihre deutlich geringere Winkelabhängigkeit, sodass der Farbeindruck eines Displays aus jeder Perspektive gleich gut bleibt«, so Mischok.
Neugier lohnt sich
Zwar gab es in der Vergangenheit bereits Berichte über OLEDs auf der Basis von Polaritonen, doch zeigten diese eine sehr geringe Effizienz und Helligkeit. Für praktische Anwendungen waren sie nicht zu gebrauchen und blieben daher eher eine Kuriosität der Grundlagenforschung. Mit der neuen Strategie ist es dem Team nun gelungen, Polaritonen-basierte OLEDs mit anwendungsrelevanter Effizienz und Helligkeit zu realisieren. Malte Gather und Andreas Mischok sind überzeugt, dass die Polaritonen-basierten OLEDs mit deutlich verbesserter Farbsättigung und Farbstabilität nicht nur für die Displayindustrie von großem Interesse sind, sondern auch für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt werden können – von Lasern bis hin zum Quantencomputing.
»Diese Arbeit zeigt mir, dass es wichtig ist und sich oft auch lohnt, sich aus reiner wissenschaftlicher Neugier mit noch offenen Fragen zu beschäftigen«, erläutert Gather die Philosophie seines Labors. Allen Arbeiten ist gemein, dass sie zwar vielfach praktischen Einsatz finden, dies aber oft nicht der ursprüngliche Antrieb ist. »Unsere Arbeiten und Erkenntnisse führen häufig zu neuen Anwendungen, aber am Anfang steht eher die Frage, wie Dinge eigentlich grundlegend funktionieren und ob bestimmte Dinge in unseren Experimenten überhaupt möglich sind.«
Neben all der wissenschaftlichen Präzision und fachlichen Expertise sind die Arbeiten von Gather und seinen Mitarbeitenden damit ein Plädoyer fürs Um-die-Ecke-Denken, für Kreativität und für den Forschergeist, der hinter allen Innovationen steckt.