»Universitäten und Unikliniken können erste Schritte in der klinischen Prüfung noch selbst leisten. Aber Arzneimittel müssen unter streng kontrollierten Bedingungen hergestellt werden und eine klinische Prüfung durchlaufen. Das ist sehr kostenintensiv. Daher braucht es in der Regel ab einem gewissen Punkt einen Partner aus der Industrie«, sagt Klein. In den vergangenen Jahren hat der Forscher mehrere Verwertungsprozesse mitgestaltet. Daraus ist ein Netzwerk von Expert*innen entstanden, das heute auch von der Universität genutzt wird. »Der Prozess von der Patentanmeldung bis zur Verwertung durch die Universität ist aufwendig und erfordert viele Ressourcen. Umso wichtiger sind funktionierende Strukturen und ich freue mich, dass diese zunehmend an den Fakultäten und der Universität gestärkt werden«, so Klein.
Die DNA-Designerin
Erfindungsgeist und die gewerbliche Anwendbarkeit eines neuen Forschungsergebnisses hat auch Professorin Dr. Stephanie Kath-Schorr bereits fünf Mal nachgewiesen. Die Chemikerin und Leiterin des Instituts für Organische Chemie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät forscht an künstlicher und katalytischer DNA. Dabei entwickeln sie und ihr Team neue DNA-Bausteine für unterschiedliche Anwendungen. Künstliche DNA nutzt zum Beispiel andere Bindungen zwischen den Basenpaaren und findet unter anderem in der Medizin Anwendung. »Ich war schon immer fasziniert von der Frage: Was wäre, wenn DNA nicht nur Information speichern, sondern auch ›handeln‹ könnte?«, so Kath-Schorr.
Sie erforscht DNA-Sequenzen, die RNA gezielt erkennen und schneiden können. Sogenannte DNAzyme (katalytische DNAMoleküle) werden genutzt, um RNA-Viren zu bekämpfen. Zu den RNA- oder Ribonukleinsäure- Viren gehören unter anderen das Influenzavirus, das Hepatitis-C-Virus, das SARS-Virus sowie die Polio- und Masernviren. Ihnen ist gemein, dass sie ihr Erbgut in der RNA tragen, sodass ein Angriff darauf ihre Fähigkeit zerstört, sich zu vermehren. Aktuell arbeiten die Wissenschaftler*innen zusammen mit Kolleg*innen der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf an einem DNAzym zur Behandlung einer Gruppe schwerer Viruserkrankungen, die unter anderem durch Zecken übertragen werden und im schweren Verlauf mit Blutungen und Multiorganversagen einhergehen können. Zwei Patente sind angemeldet: eins für die Anwendung und eins für die künstliche DNA-Verbindung selbst.
Die künstlichen DNA-Moleküle nutzen die räumliche Geometrie, um eine chemische Reaktion auszulösen. So kann die RNA in der Wirtszelle zerschnitten und unbrauchbar gemacht werden. Dieses System ermöglicht eine effizientere Wirkung mit geringerem Molekülmengenbedarf. »Es ist kein Einmal-Effekt, sondern ein Recycling-System. Das DNAzyme kann nach dem Schnitt direkt an die nächste RNA-Sequenz binden. Das macht es so effizient«, erklärt Kath-Schorr. Die Patentanmeldung wurde vor einem Jahr eingereicht, gerade liefert das Team die letzten Daten nach.
Dass sie bei der Anwendung an eine Patentierung gedacht hat, war kein Selbstläufer, sondern ergab sich aus den Strukturen der Universität: »Die Transferscouts an der Fakultät und Veranstaltungen zum Thema Transfer haben mein Bewusstsein geschärft.«
Aus schmerzlicher Erfahrung lernen
Die Chemikerin arbeitet schon viele Jahre in der Grundlagenforschung. »Es gibt einen Moment, in dem man sagt: ›Das ist nicht nur interessant. Das könnte wirklich etwas verändern‹«, sagt Kath-Schorr. Die Euphorie über neue Entdeckungen muss jedoch erst einmal im kleinen Kreis gefeiert werden. Die Erfahrung, dass eine Entdeckung nicht mehr geschützt werden konnte, weil sie schon in der Welt war, hat Kath-Schorr einmal schmerzlich gemacht. Vor Einreichung des Patentantrags hatte sie auf einer Konferenz die Struktur eines Moleküls auf einem Poster gezeigt. Heute weiß sie, dass sie zunächst das Patent anmelden muss – auch, wenn die Forschungsarbeit noch nicht ganz abgeschlossen ist: Nach der Anmeldung haben Forschende noch rund ein Jahr Zeit, Experimente nachzuliefern. Damit Neuentdeckungen patentierbar bleiben, müssen alle Mitarbeitenden in der Arbeitsgruppe auf die Notwendigkeit der strengen Vertraulichkeit hingewiesen werden – zumindest für die Zeit bis zur Einreichung einer Patentanmeldung.
Die Perspektive ausweiten
Die Universität zu Köln erzielt bei der Förderung von Ausgründungen schon Spitzenergebnisse, beim Patentportfolio ist allerdings noch Luft nach oben. Doch das macht Bernadett Simon aus dem Forschungsdezernat keine Sorgen. Seit der Gründung des Prorektorats für Transfer und des Transferbüros an zentraler Stelle haben sich die Aktivitäten an der Universität intensiviert. »Der Aufbau eines Patentportfolios ist ein Marathon, kein Sprint«, resümiert sie.
Sie sieht die Uni auf einem guten Weg, wenn die Forschenden, die Transferscouts, das Transferbüro und das Forschungsdezernat weiterhin engagiert zusammenarbeiten, um patentwürdige Erfindungen zu identifizieren, zügig zum Patent anzumelden und Forschende kontinuierlich zu unterstützen. Noch zögernden Wissenschaftler*innen möchte sie mitgeben: »Lohnt es sich? Das weiß man am Anfang nie. Aber eine erste Einschätzung aus unserem Team kommt schnell – und kostet nichts.«