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| Studierende

Geowissenschaften

Was kann man denn damit werden? Geographie

Auf welche Möglichkeiten des Broterwerbs unsere Studiengänge vorbereiten

Maren Bongartz (rechts) studiert im ersten Semester im M.Sc.-Studiengang Geographie und ist studentische Hilfskraft am Geographischen Institut in der AG Klimatologie und Hydrogeographie. Lena Krist schloss ihren M.Sc. in Geographie im Jahr 2019 ab und arbeitet heute in der Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung der Stadt Kerpen.

Haben Sie schon immer bei Stadt–Land–Fluss brilliert? Oder gehören Sie zu der Sorte Mensch, die die Hauptstädte, Flaggen und wichtigsten Rohstoffe fast aller Länder der Erde benennen kann? Dann ist ein Geographiestudium sicherlich etwas für Sie. Doch es geht um viel mehr als nur auswendig gelerntes Wissen. 

Kaum etwas, was die Oberfläche der Erde betrifft, ist nicht Gegenstand geographischer Forschung. Dabei unterscheidet die Disziplin zwischen der Humangeographie und der Physischen Geographie. Während sich die Humangeographie mit der Struktur und Dynamik von Kulturen, Gesellschaften und Ökonomien sowie der Raumbezogenheit des menschlichen Handelns befasst, stehen bei der Physischen Geographie die Zusammenhänge und Prozesse unserer Erde im Vordergrund. Studierende können entweder mit dem Bachelor oder Master of Science oder mit dem Bachelor of Arts / Master of Education abschließen. Wer auf Lehramt studiert und Geographie (oder Erdkunde) an der Schule unterrichten möchte, der ergänzt die Studieninhalte noch mit der notwendigen Fachdidaktik. 

In Köln zeichnet sich das Studium vor allem durch eine große Vielfalt an Schwerpunkten aus. So können Studierende sich einerseits mit der Entwicklung von Megastädten, mit Migration und Wirtschaftsgeographie befassen, andererseits auch mit Quartärforschung, Geoarchäologie oder Ökosystemforschung. Diese Themenvielfalt bereitet die Absolvent*innen auf eine Vielzahl von Tätigkeiten vor: im Klima-, Natur- und Umweltschutz, in der Stadt- und Regionalplanung oder in der Entwicklungszusammenarbeit, um nur einige Bereiche zu nennen. Eine Studentin und eine Absolventin berichten, was sie zu dem Fach gebracht hat und was sie beruflich daraus gemacht haben. 

Das sagt die Studentin: 

Mich hat das Interesse an Nachhaltigkeit und Klimaschutz zur Geographie gebracht. Geographie – oder Erdkunde, wie es in der Schule genannt wird – ist nämlich deutlich vielseitiger, als Hauptstädte und Länderflaggen auswendig zu lernen. Der interdisziplinäre Charakter des Fachs ermöglicht vielseitige Einblicke in unterschiedliche Fachrichtungen. 

Zu Beginn des Studiums steht vor allem die Vermittlung geographischer Grundlagen im Fokus. Im weiteren Verlauf können Studierende durch das breite Themenspektrum der Lehrveranstaltungen den persönlichen Interessen nachgehen. Durch die Wahl zweier Nebenfächer und das Absolvieren eines Berufspraktikums wird dann innerhalb des Studiums ein Interessensschwerpunkt ge- legt. Zusätzlich ermöglichen regionale sowie internationale Exkursionen, das eigene geographische Wissen zu vertiefen und wertvolle Einblicke in neue Fragestellungen und Herausforderungen zu erhalten. 

Recht früh im Studium habe ich gemerkt, dass mir die Physische Geographie – also der naturwissenschaftliche Teil des Studiums – besonders Spaß macht. Mein besonderes Interesse gilt dabei der Klimawandelforschung und den daraus entstehenden Herausforderungen und Anpassungsbedarfen für den Menschen. Die Geographie befasst sich mit zahlreichen solcher Mensch-Umwelt-Beziehungen. 

Ich habe das Glück, neben meinem Studium als studentische Hilfskraft in einem Forschungsprojekt am Geographischen Institut zu arbeiten: in dem Projekt AKT@HoMe in der AG Klimatologie und Hydrogeographie, das sich mit der Anpassung zweier Quartiere in Köln mit unterschiedlicher Sozialstruktur hinsichtlich ihrer Zugänge und Bereitschaft für eine wirksame und nachhaltige Teilhabe an der Klimaanpassung befasst. Ein Job wie dieser ermöglicht bereits während des Studiums noch vielseitigere Einblicke in die potenzielle Arbeit als Geograph*in. 

Für meine spätere Berufslaufbahn kann ich mir gut vorstellen, nach meinem Abschluss im Bereich der Klimawandelanpassung zu arbeiten. 

Das sagt die Absolventin: 

Die Frage, was man denn »damit« werden kann, habe ich im Laufe meines Geographiestudiums unzählige Male gehört und, ganz ehrlich: Anfangs wusste ich das selbst nicht so genau. Aber ich wusste, was ich wollte. Ein Studium, das vielfältige Perspektiven bietet, das interdisziplinär ist, mir Raum für eigene Interessen lässt und sich mit gesellschaftlich relevanten Themen beschäftigt. Genau das habe ich im Masterstudiengang Geographie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsgeographie gefunden. 

Besonders faszinierend war für mich die Verbindung von Raum, Wirtschaft und Gesellschaft. Ich konnte meine Schwerpunkte selbst setzen und habe mich auf Institutionen konzentriert, die regionale Wirtschaftsentwicklung fördern, unter anderem Wirtschaftsförderungen, Brückeninstitutionen und Innovationsnetzwerke. Was zunächst theoretisch klingt, wurde durch konkrete Fragestellungen schnell greifbar: Warum entwickeln sich Regionen unterschiedlich? Welche Rolle spielen politische und institutionelle Rahmenbedingungen für die Wirtschaft vor Ort? Und was bedeutet »Strukturwandel« eigentlich in der Praxis? 

Mein Studium war stark international geprägt, sowohl inhaltlich als auch in der Umsetzung. Ich habe globale Wirtschaftsverflechtungen und ihre verschiedenen Stufen analysiert und in internationalen Teams gearbeitet. Außerdem hatte ich die Gelegenheit, Exkursionen und Geländepraktika im Ausland zu absolvieren: Ich habe den Einfluss der Olympischen Spiele auf die Stadtentwicklung in London erforscht, mich kritisch mit der Regionalentwicklung in Florida auseinandergesetzt, analysiert, wie der Wandel des Einzelhandels die Struktur der chinesischen Stadt Guangzhou verändert und untersucht, welche Auswirkungen die fortschreitende Urbanisierung Delhis auf die Landwirtschaft im sogenannten periurbanen Raum mit sowohl städtischen als auch ländlichen Eigenschaften hat. Diese Vielfalt an Perspektiven hat nicht nur mein Denken, sondern auch meine Haltung geprägt und mich zu einem offenen, kritisch denkenden und lösungsorientierten Menschen gemacht. 

Heute arbeite ich in der kommunalen Wirtschaftsförderung. Ich gestalte Projekte an der Schnittstelle von Verwaltung, Politik und Wirtschaft und bringe ganz unterschiedliche Akteure zusammen. Mein Studium hat mich darauf fachlich sowie methodisch vorbereitet und vor allem hat es mir die Fähigkeit vermittelt, komplexe Zusammenhänge zu erkennen, strategisch zu denken und interdisziplinär zu arbeiten. Was man also »damit« werden kann? Vieles. Und vor allem genau das, was man selbst daraus macht. 

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