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| Dinge, die uns wichtig sind

Krawatte ab – Ein Schnitt, der verbindet!

Professor Dr. Sanjay Mathur, Anorganische und Materialchemie, über seinen Kulturschock im Kölner Karneval.

Jeder kennt sie, jeder hat sie: Dinge, die unter den vielen Gegenständen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt haben, einen besonderen Stellenwert haben. Professor Dr. Sanjay Mathur, Lehrstuhl für Anorganische und Materialchemie, über seinen Kulturschock im Kölner Karneval.

Auf meine erste Begegnung mit der rheinischen Frohnatur musste ich nach meiner Ankunft in Köln nicht lange warten… »Wat fott es, es fott!« Die wahre Bedeutung dieses Artikels des Kölschen Grundgesetzes hat sich mir bei meiner ersten Weiberfastnacht im Jahr 2009 erschlossen, als – zumindest für mich überraschenderweise – Scheren schwingende Mitarbeiterinnen meine Krawatte zurechtstutzten. 

Ich komme ursprünglich aus Indien, war vor dem Umzug nach Köln aber schon lange in Saarbrücken und Würzburg tätig und dachte, ich hätte bereits verschiedenste regionale Bräuche und Besonderheiten in Deutschland kennen gelernt. Dies hatte mich jedoch nicht auf die Weiberfastnacht in Köln vorbereitet. In meiner Zeit am Institut für Neue Materialien (INM) in Saarbrücken war ein professionelles Auftreten mit Anzug und Krawatte üblich. Daher war meine ungläubige Überraschung sicher für alle offenkundig, als meine Krawatte unter großem Beifall der gesamten Arbeitsgruppe von einer Mitarbeiterin zum ersten Mal »erlegt« wurde. 

Dies war der Beginn einer nun schon seit 17 Jahren enthusiastisch zelebrierten Tradition in meinem Arbeitskreis. Diese jährlich wachsende Trophäensammlung stilecht geopferter Krawatten in unserer Teeküche hat sich zu einer zentralen Attraktion jeder Besucherführung in meinem Arbeitskreis entwickelt, die besonders für internationale Gäste immer gerne zitierte Anekdoten liefert. Als Vater von zwei kölschen Jungs habe ich die Verbundenheit zur kölschen Lebensart auch in der eigenen Familie erfahren. Zuweilen stand ein beruflicher Wechsel in eine andere Stadt zur Debatte, doch bei diesen Überlegungen wurde ich schnell überstimmt. Besonders für meine Söhne kam einfach keine andere Stadt als Köln infrage. 

Normalerweise begleite ich meine Studierenden und Promovierenden auf ihrem Weg, aber diesmal haben sie mich tatkräftig in die Geheimnisse der kölschen Lebensart eingeweiht. Mentoring ist nun mal keine Einbahnstraße! Auch bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Gästen meines Lehrstuhls hat der Kölner Karneval immer bleibende Eindrücke hinterlassen, die in einer langjährigen Verbundenheit mit der Universität und der Stadt resultieren. Frei nach dem Motto: »Et kütt wie et kütt«, werde ich auch zur kommenden Weiberberfastnacht eine Krawatte tragen, denn »Et hätt noch emmer joot jejange«! 

 

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