Chen Dong, Chen Zhongrui und Wang Jie haben noch einmal Glück gehabt: Die drei chinesischen Taikonauten konnten mit ihrer Raumkapsel Shenzou Anfang November 2020 in der chinesischen Wüste landen. Vorausgegangen war ein tagelanges Bangen um die Raumfahrer, denn kurz vor dem Andocken an die Raumstation stellte die Besatzung der Kapsel Schäden an der Außenhülle fest: haarfeine Risse hatten sich in den Fenstern gebildet. Der Grund war wahrscheinlich eine Kollision des Raumfahrzeugs mit Weltraumschrott. Eine Landung mit der Kapsel war unmöglich geworden, die Taikonauten mussten auf die zweite angedockte Kapsel umsteigen.
Die Europäische Weltraumagentur ESA schätzt, dass sich ungefähr 700.000 Objekte, die größer als einen Zentimeter sind, und 170 Millionen Objekte, die größer als einen Millimeter sind, in der Erdumlaufbahn befinden. Etwa 29.000 Objekte, die größer als zehn Zentimeter sind, sollen sich laut Weltraumagentur im Orbit mit zum Teil mehrfacher Schallgeschwindigkeit um die Erde drehen. Die Gesamtmasse aller Objekte in Erdumlaufbahnen liegt bei weit über 6.300 Tonnen.
Weltraumschrott ist ein zentrales Problem
Für Professor Dr. Stephan Hobe vom Institut für Luftrecht, Weltraumrecht und Cyberrecht ist der Vorfall mit der chinesischen Raumkapsel alles andere als überraschend. Schon seit Jahren verfolgt der Institutsleiter unter anderem das Thema Weltraumschrott und seine Relevanz für das Völkerrecht.
»Die wertvollsten und wichtigsten Erdumlaufbahnen werden komplett mit Weltraumschrott verstopft«, so Hobe. »Man wird das Zeug auch nicht wegbekommen, wenn sich keiner der Verursacher darum kümmert. Jetzt müssen wir schauen, dass das Problem ›space debris‹ zumindest nicht größer wird.« Doch die raumfahrenden Nationen sind auf einem schlechten Weg, so der Völkerrechtler: »Die ESA sagt, dass wir vielleicht noch zwanzig Jahre so weitermachen können, dann ist es vorbei. « Dann könnte man gar keine Satelliten mehr in den Orbit schießen, die nicht sofort von irgendwelchen Objekten zerschossen würden.
Eine internationale Stimme aus Köln
Weltraumschrott ist nur eines der vielen Problemfelder, die sich für das Völkerrecht im All eröffnen. Seit Elon Musk das Rennen zur zivilen Nutzung des Weltraums begonnen hat, folgen immer weitere Unternehmen mit ihren Plänen, den Orbit der Erde, den Mond oder sogar Asteroiden kommerziell zu nutzen oder auszubeuten. Daneben wird der erdnahe Raum auch immer intensiver von den Großmächten als militärische Basis benutzt, etwa zur Stationierung von Satelliten zu Beobachtungszwecken.