Die Submillimeter-Strahlung stammt zum Beispiel aus Staub- und Molekülwolken, die weit entfernte Schwarze Löcher und sternenreiche Galaxien umgeben. »Das geht«, sagt Astrophysiker Higgins, »an die Grenzen der Physik.« Dafür wird das neue Teleskop bei der Geschwindigkeit seiner Bildgebung und seiner Empfindlichkeit das leistungsstärkste Teleskop der Welt sein. Es wird die Entstehung von Sternen und Galaxien von der frühen »kosmischen Dämmerung« kurz nach dem Urknall bis zum »kosmischen Mittag «, als die meisten der heutigen Sterne entstanden sind, detailliert darstellen und Einblicke in die kosmische Ausdehnung und Gravitationswellen seit dem Urknall geben.
Der Aufwand lohnt, da sind sich nicht nur die Wissenschaftler*innen, sondern auch Geldgeber Fred Young sicher: »Unser Submillimeterteleskop der Spitzenklasse am wahrscheinlich besten Standort der Welt für diese Wellenlänge wird für viele Astronominnen und Astronomen die Grundlage für bedeutende Forschungsarbeiten in den kommenden Jahren bilden.« Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die die Welt und das All ein wenig verständlicher machen, entstehen womöglich Technologien, die weit über die Astronomie hinauswirken. »WLAN, GPS oder Digitalkameras sind schließlich alles Nebenprodukte astronomischer Forschung «, erinnert Higgins.
Auch Studierende der Uni Köln profitieren von der Entwicklung und dem Bau des Hightech-Teleskops: Sie bauen Empfänger für die Submillimeter-Strahlung und helfen, den komplexen Spiegel exakt auszurichten. »Es ist diese Art von Erfahrung, die die nächste Generation von Forschenden formt«, so Higgins. Bei vergleichbaren Weltklasse-Teleskopen erhalten die Studierenden in der Regel nur verarbeitete Daten, mit denen sie arbeiten können. Beim FYST hingegen sind sie in den gesamten Prozess eingebunden, einschließlich der Bedienung des Teleskops, der Erfassung und Verarbeitung von Daten und der wissenschaftlichen Auswertung.
Mitte nächsten Jahres ist es so weit: Nach rund sieben Jahren Bauzeit schaut das Teleskop zum ersten Mal tief ins Weltall – pünktlich zum Beginn des neuen Exzellenzclusters der Uni Köln namens DYNAVERSE, für dessen Erfolg die neuen Daten essentiell sein werden. Es werden dann die empfindlichsten Augen der Erde sein – bereit, das älteste Licht des Universums einzufangen.
DYNAVERSE – Der neue Exzellenzcluster zwischen den Universitäten Köln und Bonn, dem Forschungszentrum Jülich, dem Max- Planck-Institut für Radioastronomie, dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und dem Heidelberger Institut für Theoretische Studien wird als weltweit führendes Kompetenzzentrum für Radioastronomie, Laborexperimente, Simulationen und maschinelles Lernen/ künstliche Intelligenz aufgebaut. Sprecherin ist Professorin Dr. Stefanie Walch-Gassner an der Universität zu Köln.