Prof. Dr. Florian Klein: Forschung wirkt für den Schutz vor Viruserkrankungen
Florian Klein ist Professor für Virologie und Direktor des Instituts für Virologie der Uniklinik Köln. Er verbindet Grundlagenforschung zur körpereigenen Abwehrreaktion mit klinischer Anwendung – entwickelt besonders wirksame Antikörper, die Impfstrategien verbessern und neue Therapieansätze ermöglichen. Zudem hat er mit Togontech ein Spin-off gegründet, um innovative Antikörpertherapien schneller in die klinische Anwendung zu bringen.
1. Welchen Stellenwert hat Transfer in Ihrer bisherigen Karriere gespielt?
In meiner Forschung entschlüssle ich die Antikörperantwort des Menschen auf virale Infektionen. Seit Beginn meiner Laufbahn ist der Transfer von Forschungsergebnissen in die klinische Anwendung ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit, um neue Therapien und Impfstrategien schneller verfügbar zu machen und einen direkten gesellschaftlichen Nutzen zu erzielen.
2. Von welcher Ihrer Transferaktivitäten möchten Sie berichten und was hat es damit auf sich?
Antikörper können humanpathogene Viren gezielt neutralisieren und spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz vor Infektionskrankheiten. Schon vor Jahrzehnten wurde ihr großes Potenzial erkannt. Heute stehen uns jedoch neue technologische Möglichkeiten zur Verfügung, um dieses Wissen in konkrete Anwendungen zu überführen. Mein Team konnte Antikörper mit besonders starker antiviraler Wirkung identifizieren, unter anderem gegen HIV, Ebolaviren und SARS-CoV-2. Mit Hilfe von verschiedenen detaillierten Analysen haben wir ihre Wirkmechanismen untersucht und für ausgewählte Antikörper ihre Wirkung in klinischen Studien überprüft. Diese Erkenntnisse ermöglichen es uns, verbesserte Impfstrategien abzuleiten.
Ein zentrales Interesse meiner Arbeit liegt zudem in der Entwicklung hochpotenter monoklonaler Antikörper, die präventiv und therapeutisch gegen Infektionen eingesetzt werden können. Zahlreiche Antikörper haben wir isoliert, charakterisiert und über die Universität zu Köln zum Patent angemeldet. Ein wichtiger Schritt, um Forschungsergebnisse in klinische Anwendungen zu überführen.
3. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Ich habe mich schon früh im Studium für die Biologie von B-Zellen und ihre Funktion zur Antikörperbildung interessiert. Während meiner Dissertation an der Universität zu Köln untersuchte ich die Entwicklung von Lymphozyten und die Rolle des B-Zell-Rezeptors. Um dieses Forschungsinteresse zu vertiefen, wechselte ich 2009 an die Rockefeller University in New York. Dort durfte ich das Potenzial breit neutralisierender Antikörper gegen HIV-1 erforschen und deren klinische Anwendung erproben. Diese Erfahrungen prägen bis heute meine Forschung: Die humorale Immunantwort zu verstehen und Antikörper als präventive und therapeutische Werkzeuge gegen schwere Infektionskrankheiten zu entwickeln.
4. Welchen konkreten gesellschaftlichen Impact konnten Sie durch diese Aktivität bisher erreichen?
Mein übergeordnetes Ziel ist es, für viele schwerwiegende Infektionen neue Therapiemöglichkeiten zu schaffen – vom Labor bis zur klinischen Anwendung. Ein Beispiel ist unsere Arbeit während der Corona-Pandemie: Bereits wenige Wochen nach den ersten COVID-19-Fällen in Deutschland gelang es meinem Team, den hochwirksamen neutralisierenden Antikörper DZIF-10c zu identifizieren. Gemeinsam mit Industrie- und Universitäts-Partnern entwickelten wir diesen für den klinischen Einsatz weiter. Daher war DZIF-10c der erste Antikörper, der unter akademischer Leitung bereits im Dezember 2020 in klinischen Studien untersucht wurde. Darüber hinaus konnten wir mit einer großen COVID-19-Kohorte und der Initiierung des deutschlandweiten COVIM-Netzwerks dazu beitragen, die Dynamik der Immunität, die Immunflucht von Varianten und die Optimierung von Impfstrategien besser zu verstehen. Diese Erkenntnisse flossen auch in Impfkonzepte und politische Entscheidungen mit ein.
Um den Transfer dieser Forschung langfristig zu sichern, und den Zugang zu innovativen Antikörpertherapien zu beschleunigen, haben wir aus der Universität heraus das Spin-off Unternehmen Togontech gegründet. Ziel des Unternehmens ist es, die Entwicklung präventiver und therapeutischer Antikörpertherapien zu unterstützen und damit einen besseren Schutz vor schweren Verläufen bei Virusinfektionen verfügbar zu machen. Die Universität war bei der Umsetzung der Ausgründung eine große Unterstützung.
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Medizinische Fakultät
Institut für Virologie
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