Prof. Dr. Axel Ockenfels: Forschung wirkt für die internationale Klimakooperation
Axel Ockenfels ist Professor für Wirtschaftswissenschaft an der Universität zu Köln sowie Direktor der Adenauer School of Government und Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik in Bonn. Er zeigt, wie wirtschaftswissenschaftliche Grundlagenforschung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und internationale Vernetzung in politische Entscheidungsprozesse einfließen kann – vom Krisenmanagement bis zu Klimaverhandlungen – und damit globale Wirkung entfaltet.
1. Welchen Stellenwert hat Transfer in Ihrer bisherigen Karriere gespielt?
Transfer gehört für mich zur Forschung dazu. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Disziplinen und Partnern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft übersetzen wir spieltheoretische und verhaltenswissenschaftliche Erkenntnisse in praktische Anwendungen. Dabei sind beispielsweise Beiträge zum Energiemarktdesign beim Übergang zu erneuerbaren Energien, zur Bewältigung der Energiekrise und der Pandemie sowie zur Erhöhung von Organ- und Stammzellspenden entstanden. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Bereitschaft von Forschung und Praxis, voneinander zu lernen.
2. Von welcher Ihrer Transferaktivitäten möchten Sie berichten und was hat es damit auf sich?
Eine meiner langjährigen Transferaktivitäten zielt darauf ab, die internationale Klimakooperation zu verbessern. Das Pariser Klimaabkommen mit seinen freiwilligen Selbstverpflichtungen stößt an Grenzen, weil es Trittbrettfahren begünstigt und unzureichende Anreize für ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen setzt. Wir erarbeiten deshalb in unterschiedlichen Arbeitsgruppen Konzepte für Klimaverhandlungen mit gemeinsamen, reziproken Verpflichtungen. Dabei verknüpfen wir spiel-, verhandlungs- und verhaltenstheoretische Einsichten mit empirischen Simulationen und versuchen, politische Realitäten und die unterschiedlichen Ausgangslagen der Länder mitzudenken. Das Ziel ist weniger ein perfektes theoretisches Modell, als vielmehr praktikable Mechanismen, die tatsächlich zu mehr Klimakooperation führen könnten.
3. Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Umwelt- und Klimafragen beschäftigen mich schon seit der Schulzeit. Die moderne Wirtschaftswissenschaft hat mir dann Werkzeuge gegeben, um zu untersuchen, wann Menschen kooperieren und welche institutionellen Rahmenbedingungen dabei helfen können. Methodisch kombinieren wir verschiedene Ansätze: theoretische Überlegungen, Simulationen, Befragungen mit tausenden Teilnehmenden sowie Labor- und Feldexperimente, um unsere Hypothesen und Verhandlungsformate im „Windkanal" zu testen. So konnten wir beispielsweise nachvollziehen, warum frühere Klimaverhandlungen an ihre Grenzen stießen und welche Design-Elemente bessere Erfolgsaussichten bieten.
4. Welchen konkreten gesellschaftlichen Impact konnten Sie durch diese Aktivität bisher erreichen?
Unsere Erkenntnisse fließen in politische Diskussionen und Prozesse ein. So haben wir beispielsweise Vorschläge für die Ausgestaltung des bei der COP28 gegründeten Klimaclubs, der mittlerweile 30 Länder umfasst, eingebracht und begleiten dessen Weiterentwicklung. Darüber hinaus arbeiten wir derzeit gemeinsam mit Experten und Expertinnen aus aller Welt an konkreten Vorschlägen zur CO₂-Preiskoordinierung und zu sektoralen Abkommen. Diese haben bei der letzten Klimakonferenz COP30 in Belém zu einer »Carbon Market Coalition« beigetragen, die unter anderem von der EU und China mitgetragen wird. Klimakooperation ist ein besonders komplexer globaler Prozess mit ungewissem Ausgang, aber genau das macht den Wissenschaftstransfer so wertvoll. Wenn es gelingt, Erkenntnisse aus der Kooperations- und Anreizforschung in die politische Praxis zu übersetzen, kann das für alle Menschen große Wirkung entfalten.
Kontakt
Prof. Dr. Axel Ockenfels
Telefon: +49 221 470-5761
E-Mail: ockenfels(at)uni-koeln(dot)de