Studium Integrale Modul im WS 25/26
Durchgeführt von „Netzwerk Food Security“ und „KPA Sustainable Plant Production“
Dienstags, 17:45 Uhr, MC Klausur, 3 CPs, Anwesenheitspflicht: 9/12 Anwesenheit, über KLIPS wählbar
Ort: Institut für Pflanzenwissenschaften (Biozentrum), Zülpicher Straße 47b, 50674 Köln; Hörsaal 0.024 (direkt im Erdgeschoss)
Die Ringvorlesung widmet sich den globalen Herausforderungen, die im Spannungsfeld von Klimawandel, Nachhaltigkeit und globaler Ernährungssicherung entstehen. Diese sind sehr vielfältig und oft eng miteinander verknüpft. Um tragfähige Lösungen zu entwickeln, ist ein interdisziplinärer Zugang unerlässlich. Deshalb betrachten wir die verschiedenen Themen aus der Perspektive unterschiedlicher Fachrichtungen und machen so deutlich, wie interdisziplinäre Ansätze zur Sicherung einer globalen und zugleich nachhaltigen Ernährung beitragen können.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie eine nachhaltige Transformation unserer Ernährungssysteme gelingen kann, um die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zu sichern. Dabei werden auch die politischen, ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimensionen des Wandels sichtbar gemacht.
Die Vorlesungsreihe lädt dazu ein, globale und interdisziplinäre Zusammenhänge besser zu verstehen und zeigt konkrete Handlungsmöglichkeiten auf – für Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und jeden Einzelnen.
Teilnahme
Teilnehmer*innen der interessierten Öffentlichkeit sind erwünscht und sehr willkommen! Die Vorträge sind allgemeinverständlich konzipiert.
Studierende, die im Rahmen des Studium Integrale 3 Leistungspunkte (LPs) erhalten möchten, melden sich über KLIPS zentral zur Veranstaltung an (Suche über “alle Lehrveranstaltungen” und dann filtern nach "149124005"). Voraussetzung für die Vergabe von LPs ist die bestandene Abschlussprüfung in Form einer MC Klausur (online) am 03.03.2026. Bitte beachten Sie, dass Sie sich bis spätestens 10.02.2026 für die Prüfung in KLIPS anmelden müssen. Studierende, die im Studiengang Biologie eingeschrieben sind, können sich seit dem WS24/25 das Modul als SI anrechnen lassen (die frühere Regelung mit POL fällt weg!).
Programm
Bitte beachten Sie, dass zwischen den Veranstaltungen teilweise mehr als eine Woche liegt.
21.10 2025
Prof. Peter Westhoff, Universität Düsseldorf
Kulturpflanzen und Ernährungssicherheit aus globaler Sicht - die Herausforderungen der Zukunft
Im Jahre 2050 werden ca. 10 Milliarden Menschen auf der Erde wohnen, die allesamt ernährt werden wollen. Realistischen Schätzungen zufolge müssen wir dafür die pflanzliche Nahrungsmittelproduktion etwa verdoppeln - und das unter dem Damoklesschwert der globalen Klimaveränderungen. Technologische Innovationen in der Pflanzenzüchtung sind daher gefragt - und nicht ein romantisierender Blick in die Vergangenheit. Wie können wir diese Herausforderung meistern?
28.10.2025
Prof. Markus Stetter, Universität zu Köln
Die Bedeutung von Kulturpflanzenvielfalt für eine nachhaltige Zukunft
Seit Beginn menschlicher Zivilisation wurden weltweit tausende Kulturpflanzen domestiziert und waren essentiell für die frühe Ernährungssicherung. Dennoch liefern heute nur drei Kulturpflanzen über 40 % der Kalorien für fast 8 Milliarden Menschen. Die Nutzung verlorener und lokaler Kulturpflanzen kann in Zukunft einen Beitrag zur Erzeugung nachhaltiger und qualitativ hochwertiger Nahrung leisten.
04.11.2025
Dr. Sarah M. Schmidt, Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH
Die Rolle der internationalen Agrarforschung für die Transformation unserer Agrar- und Ernährungssysteme
Hunger weltweit zu beenden und Ernährungssicherheit zu erreichen, ist seit 2015 ein zentrales Ziel der international vereinbarten Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Dennoch leiden laut Schätzungen des UN-Welternährungsberichts weltweit mehr als 800 Millionen Menschen an Hunger und mehr als 2,3 Milliarden leiden an „verstecktem Hunger“, dem Mangel an lebenswichtigen Nährstoffen. Die Zahlen liegen weit höher als die Schätzungen in den Vorjahren, denn die Corona-Pandemie hat die Situation deutlich verschärft. Hauptursachen für Ernährungsunsicherheit sind, neben der aktuellen Pandemie, Armut, Kriege und Konflikte. Auch die Folgen des Klimawandels, etwa extreme Wetterereignisse wie Stürme, Überschwemmungen und Dürren, tragen dazu bei. Parallel zum Hunger im Globalen Süden, leidet das Ernährungssystem im Globalen Norden unter Ressourcen-intensiver Überproduktion und ernährungsbedingten Krankheiten wie Übergewicht und Diabetes. Eine evidenz-basierte Transformation unserer Agrar- und Ernährungssysteme hin zu mehr Resilienz und Biodiversität innerhalb planetar Grenzen ist unabdinglich. In der Vorlesung diskutieren wir politische Reaktionen und die Rolle der internationalen Agrarforschung bei der Transformation unserer Agrar- und Ernährungssysteme.
11.11.2025
keine Veranstaltung
18.11.2025
Prof. Florian Wichern, Hochschule Rhein-Waal
Bodenernährung für eine nachhaltige Pflanzenernährung - Wie Bodenmikroorganismen zur Ernährungssicherung beitragen
Böden beherbergen Millionen verschiedener Mikroorganismen denen eine wichtige Rolle bei der Zersetzung von Pflanzenresten zukommt. Sie ermöglichen dadurch die Freisetzung von Nährstoffen für Pflanzen und deren Wachstum, sind aber gleichzeitig selber Speicher von Nährstoffen und somit quasi Dünger. Zudem fördern die Mikroorganismen selbst den Aufbau eines fruchtbaren Bodens und somit die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme. Allerdings benötigen auch Bodenmikroorganismen Nährstoffe um zu funktionieren. Der Vortrag beleuchtet wie Bodenmikroorganismen und Pflanzen zusammenwirken und wie Landwirt*innen das Bodenleben fördern können um Lebensmittel nachhaltig zu produzieren.
25.11.2025
Prof. Peter Dannenberg, Dr. Alexander Follmann, Universität zu Köln
Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit von Agrar- und Lebensmittelketten in Zeiten multipler Krisen
Globale und regionale Agrar- und Lebensmittelwertschöpfungsketten versorgen Gesellschaften mit Nahrungsmitteln und sind eine Einkommensquelle für Hunderte Millionen Landwirte weltweit. Sie sind auch wichtige Ziele für Maßnahmen zur Erreichung einer globalen Nachhaltigkeitstransformation. Agrar- und Lebensmittelketten sind äußerst anfällig, sie stehen im Kontext mehrfacher Krisen, darunter die globale Umweltkrise, geopolitische Fragmentierung, bewaffnete Konflikte und Kriege sowie die Folgen der COVID-19-Pandemie. Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz der Ketten werden viel diskutiert, jedoch stehen einige dieser Maßnahmen im Widerspruch zu Nachhaltigkeitsmaßnahmen. In diesem Vortrag skizzieren wir zukunftsweisende interdisziplinäre Forschungsperspektiven dazu, wie Agrar- und Lebensmittelketten in Zeiten multipler Krisen nachhaltig und widerstandsfähig werden können. Dabei stellen wir ein neues DFG-Schwerpunktprogramm vor, das an der Universität zu Köln koordiniert wird.
02.12.2025
keine Veranstaltung
09.12.2025
Dr. David Spencer, Öko-Progressives Netzwerk e. V.
Wissenschaft, Politik, DNA - von der Erkenntnis zur Entscheidung am Beispiel der Pflanzenzucht
Politische Entscheidungsträger*innen müssen kontinuierlich Wege finden, die besten Lösungen für das gesellschaftliche Zusammenleben zu identifizieren und diese in Leitlinien oder Gesetze umwandeln. Ob bei der Sicherung der globalen und nationalen Nahrungsmittelversorgung, in Fragen des Klimawandels oder bei der Regulierung neuer Technologien – politische Entscheidungen schaffen die Rahmenbedingungen für Landwirtschaft, Handel und nachhaltige Entwicklung. Damit diese Entscheidungen auf einer soliden Grundlage stehen, ist es erforderlich, dass evidenzbasierte Erkenntnisse nicht nur berücksichtigt, sondern auch verständlich vermittelt werden.
Wie das gelingen kann, zeigt David Spencer am Beispiel der Pflanzenzüchtung. Er macht deutlich, wie Wissenskommunikation Brücken zwischen Wissenschaft, Politik und Gesellschaft schlägt und warum dies für unsere gemeinsame Zukunft unverzichtbar ist.
16.12.2025
Katja Gürten, Welthungerhilfe
Gendergerechtigkeit als Schlüssel gegen Hunger – Transformative Ansätze für Ernährungssicherung in der Entwicklungszusammenarbeit
Frauen sind weltweit zentrale Akteurinnen in der Lebensmittelproduktion, dennoch haben sie häufig schlechteren Zugang zu Ressourcen, Märkten und Entscheidungsprozessen. Der Vortrag zeigt, warum Gendergerechtigkeit nicht nur eine Frage der Fairness ist, sondern auch entscheidend für die Bekämpfung von Hunger und die Transformation von Ernährungssystemen. Anhand von Beispielen aus der Entwicklungszusammenarbeit wird verdeutlicht, wie transformative Ansätze auf individueller, gesellschaftlicher und institutioneller Ebene wirken können.
13.01.2026
Dr. agr. Johannes Simons, Institut für Lebensmittel- und Ressourcenökonomik, Universität Bonn
Vernachhaltigung von Lebensmittelwertschöpfungsketten – Die ökonomische Sicht auf Möglichkeiten und Grenzen
Marktmechanismen sowie die politisch-rechtliche Regulierung von Märkten und Wertschöpfungsketten haben einen wesentlichen Einfluss auf Möglichkeiten und Grenzen der Durchsetzung von Nachhaltigkeitszielen. Der Vortrag stellt einige, für das Verständnis wichtige und einfach nachvollziehbare Grundlagen der Ökonomie dar, um Grenzen und Möglichkeiten von Marktmechanismen zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen zu erklären. Darauf aufbauend wird erläutert, in welchen Umfang politische Maßnahmen dazu beitragen können, die Schwächen der Marktmechanismen zu überwinden. Daraus lässt sich ableiten, welche Handlungsmöglichkeiten für die Bürgerinnen und Bürger bestehen, um die Entwicklung zu mehr Nachhaltigkeit zu fördern.
20.01.2026
Prof. Ulrich Löhnert, Universität zu Köln
Die Grundlagen des irdischen Treibhauseffektes
Die Sonne spendet kontinuierlich Energie zum Antrieb der Sphären unseres Klimasystems: Atmosphäre, Hydrosphäre, Kryosphäre, Lithosphäre und Biosphäre. Wieviel Energie das Klimasystem beinhaltet und wann und wo empfangene Energie wieder an das Weltall zurückgegeben wird hängt von der Beschaffenheit der Sphären ab. In diese greift der Mensch zunehmend ein. Um die zukünftige Verfügbarkeit von Wasser und nährstoffreichen Böden zur Nahrungsmittelproduktion zu bestimmen, sind Vorhersagen des Klimasystems notwendig. Diese erfordern ein detailliertes Verständnis der Prozesse im Klimasystem. Dieser Vortrag stellt dazu die grundlegenden Prozesse des irdischen Treibhauseffektes dar, wie er sich verändert und welche weiteren Veränderungen im Klimasystem – einschließlich aktueller Erkenntnisse von Unsicherheiten – wir erwarten müssen.
27.01.2026
Prof. Tatjana Hildebrandt, Prof. Stanislav Kopriva, Universität zu Köln
Nahrungsmittel unter Druck: Wie der Klimawandel den Nährstoffgehalt in Pflanzen beeinflusst
Die wachsende Weltbevölkerung, der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln sowie der anthropogene Klimawandel stellen eine enorme Herausforderung für die nachhaltige Nahrungsproduktion und den Erhalt der Ökosysteme dar. Das Treibhausgas CO2 ist der Hauptverursacher des anthropogenen Klimawandels und hat gleichzeitig einen Einfluss auf den Nährstoffgehalt unserer pflanzlichen Nahrungsmittel. Wie kann trotz steigender CO2-Konzentrationen eine optimale Zusammensetzung an Nährstoffen in unseren Kulturpflanzen gewährleistet werden? Prof. Dr. Tatjana Hildebrandt und Prof. Dr. Stanislav Kopriva sind Wissenschaftler*innen im Exzellenzcluster CEPLAS an der Universität zu Köln und erforschen das Pflanzenwachstum und den Stoffwechsel von Pflanzen.
03.02.2026
Dr. Frank Röber, Corteva Agriscience Germany GmbH, Europe Breeding Alliances Lead
Ein Jahrhundert Hybridzüchtung: Von den Anfängen zur Zukunft der Pflanzenzüchtung
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Entwicklung der Hybridzüchtung in den letzten 100 Jahren, mit besonderem Fokus auf Mais und die Rolle moderner Züchtungstechnologien für die globale Ernährungssicherung und Nachhaltigkeit.
Historische Entwicklung und Bedeutung
Die Domestikation des Mais begann vor etwa 7000 Jahren in Mexiko. Über verschiedene Wege verbreitete sich Mais weltweit und wurde in Europa ab dem 16. Jahrhundert angebaut. Die Einführung der Hybridzüchtung im 20. Jahrhundert, insbesondere durch die Arbeiten von George H. Shull und Henry A. Wallace, führte zu einem enormen Produktivitätsanstieg und einer verbesserten Anpassungsfähigkeit der Pflanzen. Die Akzeptanz von Hybriden erfolgte in den USA sehr schnell, da sie höhere Erträge, bessere Uniformität und größere Resilienz gegenüber Umweltstress zeigten.
Technologischer Fortschritt
Die Züchtung profitierte von Innovationen wie Marker-gestützter Selektion, Biotechnologie, Genomik und zuletzt von Gen-Editierung (CRISPR/Cas9). Diese Technologien ermöglichen gezielte Verbesserungen, etwa bei Trockenheitstoleranz, Krankheitsresistenz und Qualitätseigenschaften. Moderne Züchtungsprogramme nutzen riesige genetische Bibliotheken und fortschrittliche Analytik, um die Vielfalt und Leistungsfähigkeit von Kulturpflanzen weiter zu steigern.
Produktionssysteme und Methoden
Verschiedene Hybridtypen (Einfach-, Dreiweg-, Doppelkreuzhybride) und Sterilitätssysteme (z.B. cytoplasmatische Sterilität) werden eingesetzt, um effiziente und kontrollierte Saatgutproduktion zu gewährleisten.
Zukunft und gesellschaftliche Relevanz
Neue Züchtungstechnologien wie CRISPR/Cas9 beschleunigen die Entwicklung maßgeschneiderter Sorten und ermöglichen eine nachhaltigere Landwirtschaft. Die rechtliche Einordnung und Akzeptanz von Genom-Editierung und neuen Züchtungstechnologien ist weiterhin ein zentrales Thema, insbesondere in Europa. Hybridzüchtung hat die landwirtschaftliche Produktivität revolutioniert. Durch Integration genetischer Vielfalt, moderner Technologien und globaler Zusammenarbeit trägt sie entscheidend zur Sicherung der Welternährung und zur Bewältigung zukünftiger Herausforderungen bei.
10.02.2026
Prof. Gunther Döhlemann, Universität zu Köln
Was unser Essen krank macht – die Rolle pflanzenpathogener Mikroorganismen in der Landwirtschaft
Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Produktion fällt dem Befall durch pflanzenpathogene Mikroorganismen zum Opfer. Faktoren wie Globalisierung, Monokulturen sowie der Klimawandel tragen zur Entstehung und Ausbreitung neuer Krankheitserreger bei. Für eine nachhaltige und effiziente Nahrungsproduktion müssen wir gleichzeitig verstehen, wie Mikroben Pflanzenkrankheiten verursachen und wie die Krankheitsresistenz unserer Nutzpflanzen verbessert werden kann.
03.03.2026
MC Klausur (online)
Damit die Leistungspunkte verbucht werden können, müssen Sie sich bis spätestens 10.02.2026 für die Klausur des Moduls in KLIPS anmelden!