Kranke müssen rund um die Uhr betreut werden und Feuer brechen nicht nur am Tage aus. Für Beschäftigte in der Krankenversorgung, Feuerwehr oder Polizei bedeutet das: Schichtbetrieb. Nachtarbeit ist in vielen Bereichen verbreitet, und dass sie auf Dauer krank machen kann, ist seit langem bekannt.
Unser Körper verfügt über eine innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Zyklus und verschiedene andere biologische Prozesse steuert. Dieses System, auch als circadianer Rhythmus bekannt, ist ungefähr auf die 24 Stunden des Tages geeicht. Beim Menschen erhalten die Ganglienzellen, spezialisierte Nervenzellen in den Augen, über das Umgebungslicht Hinweise auf die Tageszeit und liefern damit der inneren Uhr Informationen. Bei schummerigem Abendlicht stellt der Körper auf Ruhe um: Der Stoffwechsel wird heruntergefahren, der Botenstoff Melatonin wird ausgeschüttet und macht uns müde.
Auch wenn wir die Nacht zum Tag machen – überlisten können wir die innere Uhr nicht. Sie weiß dennoch, wann Nacht oder Tag in unserem Körper ist. Wenn wir etwa in eine andere Zeitzone verreisen, stimmt der Tag-Nacht-Zyklus in unserer Umgebung nicht mehr mit dem inneren Tag-Nacht-Rhythmus überein, es kommt zu einer circadianen Fehlausrichtung zwischen Innen und Außen. Erst nach Tagen oder sogar Wochen kann sich die innere Uhr wieder an den neuen äußeren Tag-Nacht-Zyklus anpassen.
Wenn die Uhren asynchron laufen
Bei über längere Zeit betriebener Nachtarbeit kann sich der Körper ebenfalls nicht so einfach umstellen. Er leidet, wodurch langfristig das Risiko für bestimmte Krebsarten und für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt. Manche Menschen entwickeln auch dauerhafte Schlafstörungen. Dr. Sarah Chellappa erforscht, wie Gesundheitsrisiken, die mit einem gestörten Schlaf-Wach-Zyklus zusammenhängen, minimiert werden können. Vor allem interessieren die Chronobiologin dabei metabolische Erkrankungen wie Diabetes Typ 2. Im Team von Professor Dr. Frank Scheer hat sie am Brigham and Women’s Hospital, einem Lehrkrankenhaus der Harvard Medical School, im Bereich der medizinischen Chronobiologie gearbeitet.
Medizinische Chronobiologie – Dieser Forschungszweig untersucht die zeitliche Organisation von physiologischen Prozessen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit. Dazu gehören Zellteilung, Herzschlag, Atmung und Schlaf. Auch Medikamente können abhängig vom Zeitpunkt ihrer Einnahme unterschiedlich wirken.
Derzeit forscht sie mit einem Alexander von Humboldt- Forschungsstipendium an der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin der Kölner Universitätsmedizin. In einer aktuellen Studie, an der auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) beteiligt war, untersuchte das Team einen besonderen Aspekt: Welchen Einfluss hat der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme bei Menschen, die regelmäßig Nachtschichten arbeiten, auf das Risiko metabolischer Störungen?