22. Januar
18.00 Uhr - 19.30 Uhr
Veranstalter:
Koordinierungsstelle Wissenschaft + Öffentlichkeit
Ort:
Hörsaal XII, Hauptgebäude
Albertus-Magnus-Platz
50931 Köln
Information:
Die Bildung der deutschen Nation im 19. Jahrhundert ist eigentlich schnell erzählt – oder etwa nicht? Erweckt im „Befreiungskampf“ gegen Napoleon, unterdrückt durch die restaurativen Mächte im Vormärz, gescheitert in der Revolution von 1848/49, wurde die ewig „verspätete Nation“ in den drei „Einigungskriegen“ zwischen 1864 bis 1871 schließlich durch „Blut und Eisen“ von oben geformt, um endlich ihren imperialen „Platz an der Sonne“ einzunehmen. So jedenfalls lautet das bis heute wirkmächtige nationale Meisternarrativ, an dessen Festigung sowohl die borussisch-kleindeutsche Historikerzunft als auch die Vertreterinnen und Vertreter der sogenannten Sonderwegs-These ihren Anteil hatten.
In dieser Veranstaltung wollen wir mit einigen Mythen dieser Erzählung aufräumen und die Entstehungsgeschichte der deutschen Nation stärker ausdifferenzieren. Angeleitet durch theoretische Konzepte der jüngeren Nationalismusforschung fragen wir nach der zeitgenössischen Vielschichtigkeit nationaler Imaginationen in Deutschland, nach den komplexen Identitätsbezügen zwischen Region, Nation und Europa und den vielen Spannungen, die den 1870 geschaffenen Nationalstaat durchzogen. Indem wir verschiedene Spielarten desNationalen beleuchten, der Fortdauer föderaler Traditionen nachgehen und die facettenreichen Konstruktionen des Eigenen und Fremden untersuchen, werden wir das Bild einer historisch unabgeschlossenen, fragilen und teils ambivalenten Nationsbildung im Deutschland des 19. Jahrhunderts zeichnen.
Vortragender: Jonas Wernz, M.Ed.
Als Gast melden Sie sich bitte unter gasthoerer-studium@uni-koeln.de an.
Eingeschriebene Gasthörer:innen brauchen keine Anmeldung.