Botanische Exkursion nach Schiermonnikoog/Niederlande

10. Oktober 1995 bis zum 13. Oktober 1995


Universität zu Köln, Botanisches Institut

Leitung: Dr. Wolfgang Zimmer

Begleiter: Gudrun Boison, Dr. Oliver Schmitz

Das Protokoll wurde von G. Boison und W. Zimmer auf der Grundlage von Studentenprotokollen erstellt.


 







Programm
10.10.95 vormittags: 04:30 Abfahrt in Köln, 10:30 Ankunft auf Schiermonnikoog, Bezug der Unterkünfte, Allgemeine Einführung. 

nachmittags: Wanderung zum Sandstrand an der Nordwestseite der Insel, Vorstellung der Vegetation oberhalb des mittleren Tidenhubs, Wattfauna, Vortrag über Inselentstehung (Gudrun Boison). 

11.10.95 tagsüber: Nach Ausleihen von Fahrrädern, Fahrt zu den Salzwiesen im Südosten der Insel, Vortrag über die Vegetation der Salzwiesen/Salzmarschen (Ursula Hüsgen), Vorstellung der halophilen Pflanzengesellschaften.
12.10.95 vormittags:Wanderung am Leuchtturm vorbei zu den Dünen im Nordwesten der Insel. Vortrag über die Dünenentstehung (Regina Hiltawsky) und Vorstellung der Sukzession der Pflanzengesell-schaften bei der Dünenentstehung. 

nachmittags: Bestimmung von gesammeltem Pflanzenmaterial aus dem Bereich der Grau- und Braundünen.Fahrt in den Süden der Insel, Wattwanderung, Vorstellung der Fauna und Flora im Watt auf der Küstenseite. 

13.10.95 vormittags: Fahrt zum Süßwassersee im Süden der Insel, Vorstellung der Flora im Uferbereich. Wiederholung der Vegetation der Salzwiesen in der Salzmarsch am Südwestende der Insel. Vortrag über die Prinzipien der Pflanzensoziologie am Beispiel der Quellerfluren und Andelrasengesellschaft (Oliver Schmitz). 

nachmittags: Vorstellung der Vegetation im Dünental mit kleinen Süßwassertümpeln. 18:30 Rückfahrt nach Köln 


Vorwort

Die Anreise zur Fähre nach Schiermonnikoog erfolgte mit fünf Privatautos bis zum Parkplatz am Festland. Ein Team sah infolge eines Verkehrsstaus am Morgen in Groningen nur noch die Rückleuchten der Vormittagsfähre nach Schiermonnikoog. Getröstet durch vieles Zuwinken erreichte auch dieses Team am frühen Nachmittag Schiermonnikoog.

Schiermonnikoog ist die östlichst gelegene, kleinste bewohnte niederländische Watteninsel. Die rund 1000 Einwohner leben im einzigen Dorf Schiermonnikoog im Westen der Insel. Die ersten Deiche wurden im Mittelalter von den Laienbrüdern des friesischen Klosters Clearcamp angelegt. Ihnen verdankt die Insel auch ihren Namen: "Schier" bedeutet grau, die Farbe der Kutten, "monnik" Mönch und "oog" Insel. Der Osten der ca. 18 km langen und maximal 2 km breiten Insel mit den ausgedehnten Kobbedünen und Salzmarschen ist unbewohnt.

In der Unterkunft im Haus des Deutschen Caritasverbands wurden wir fürsorglich empfangen. Das Haus bot Zwei- bis Vierbettzimmer sowie einen Unterrichtsraum, der für die Nachbestimmung von mitgebrachten Pflanzen viel genutzt wurde. Die abwechslungsreichen, wahlweise 2 oder 3 Mahlzeiten pro Tag wurden von allen Teilnehmern geschätzt. Als zweckmäßiges Fortbewegungsmittel auf der autofreien Insel dienten Fahrräder. Bis auf einige mit Schlamm gefüllte Stiefel und von einem Lenkdrachen erschreckte Hunde verlief die Exkursion ohne Zwischenfälle. Nach einer Radtour zum Ostende der Insel und der Inspektion der Vegetation der Salzmarschen wurde das Meer von einigen zu einem erfrischenden Bad genutzt.

Auf der Rückfahrt im Dunkeln bei Nebel geriet die Fähre auf eine Sandbank, doch konnte sie sich aus eigener Kraft wieder in die Fahrrinne bewegen und so wurde Köln von allen am 13. Oktober spät abends wieder erreicht.


Watt und Nordwestseite der Insel, 10.10.95, nachmittags

Protokollanten: Anneli Bassenge, Karin Hüpper, Ursula Lill

Wanderung zum Sandstrand an der Nordwestseite der Insel, Vorstellung der Wattfauna und der Vegetation oberhalb des mittleren Tidenhubs, Vortrag über Inselentstehung (Gudrun Boison)

Inselentstehung

Die perlschnurartig vor der Küste liegenden west- und ostfriesischen Inseln sind im Gegensatz zu den nordfriesischen Inseln reine Düneninseln, die im Laufe der Zeit durch Anlagerung von Sand mit darauffolgender Sankbankbildung entstanden. Mit zunehmender Höhe sind diese Sandbänke nicht nur der Strömung sondern auch verstärkt dem Wind ausgesetzt, der letztlich für eine Weiterverfrachtung von Sand in Richtung Küste sorgt und damit zum Inselwachstum führt. In der Folge entstehen Primärdünen, Sekundärdünen und schließlich Tertiärdünen (Abb. 1). Die Gezeiten der friesischen Inseln werden von einer vom Nordwest-Atlantik entlang der englischen Ostküste kommenden Flutwelle bestimmt. Sie bewirkt einen ostwärts gerichteten Flutstrom sowie einen westwärts gerichteten Ebbstrom, von denen ersterer an Stärke überwiegt. Diese von West nach Ost gerichtete Strömung ist die Ursache der Inselwanderung, bei der Material an der Westseite abgetragen und neu an der Ostseite angelagert wird.

Watt und Wattenmeer

Das Watt stellt einen Übergangsbereich zwischen Meer und Land dar, der den Gezeiten folgend regelmäßig zweimal täglich überflutet wird bzw. trockenfällt. Aufgrund der Gezeitenströmungen, der hohen Temperaturschwankungen und des insbesondere bei Regen variierenden Salzgehaltes herrschen im Watt extreme Lebensbedingungen. Durch den mehrstündigen Abschluß des Wattbodens mit Wasser kommt es vor allem im Schlickwatt bereits in geringen Sedimenttiefen zu anaeroben Verhältnissen. Daraufhin ist das Sediment reich an Eisensulfid. Der regelmäßige und verglichen mit dem offenen Meer weitaus höhere Nährstoffeintrag ermöglicht jedoch die Ausbildung einer komplexen, individuen- und artenreichen Biozönose. Das Watt "profitiert" insbesondere von den im Wattsediment lebenden Organismen wie Würmern (Polychaeten), Muscheln und Schnecken (Mollusken) und Krebsen (Crustaceen) sowie von den die Wattoberfläche besiedelnden Algen (vor allem Grünalgen, Tange und Kieselalgen), da die Sedimentation und Fixierung des Watts durch Wohnröhren, Schleimabsonderung und Kothäufchen begünstigt wird.

Am Nordstrand von Schiermonnikoog handelt es sich um ein offenes Watt. Dieses stärker den Gezeitenströmen ausgesetzte Watt zeichnet sich daraufhin durch eine relative Artenarmut aus. Offenes Watt findet man auf der dem offenen Meer zugewandten Seite der Inseln sowie im Bereich von großen Flußmündungen (z.B. Elbe oder Ems). Der weitaus größte Bereich des Watts mit der höheren Artenvielfalt befindet sich hingegen zwischen den Inseln und dem Festland und wird als geschütztes Watt bezeichnet (siehe Programm vom 12.10.95). Hier ist der Eintrag an Schwebteilchen etwa doppelt so hoch wie in der freien Nordsee.

Ebbe und Flut, der Tidenhub

Charakteristisch für das Watt ist der regelmäßige Anstieg bzw. Abfall des Meeresspiegels. Ebbe und Flut werden dabei sowohl von der Gravitation des Mondes als auch von der der Sonne bestimmt. Die Dauer einer Tide beträgt 12 1/2 Stunden. Der Tidenhub, d.h. die Differenz zwischen Hoch- und Niedrigstand des Wassers, richtet sich nach der Position von Sonne, Mond und Erde zueinander. Liegen sie auf einer Geraden - so bei Neu- oder Vollmond - wirken die Anziehungskräfte von Sonne und Mond verstärkend und es entsteht eine Springtide (großer Tidenhub). Stehen Sonne und Mond im rechten Winkel zur Erde - so bei halbem Mond - wirken die Anziehungskräfte senkrecht zueinander, damit gegenseitig abschwächend und es kommt zur Bildung einer Nipptide (geringer Tidenhub).

a) Fauna des Watts
 
Art Deutscher Name Klasse Stamm
Arenicola marina Wattwurm Polychaeta Annelida
Buccinum undatum Wellhornschnecke Gastropoda Mollusca
Carcinus maenas Strandkrabbe Crustaceae Arthropoda
Chrysaora hyoscella c.f. Kompaßqualle Scyphozoa Cnidaria
Lanice conchilega Bäumchenröhrenwurm Polychaeta Annelida 
Rhizostoma pulmo Wurzelmundqualle Scyphozoa Cnidaria

b) Algen im Watt
 
Art Deutscher Name
Fucus spec. Blasentang Phaeophyceae
Pterocladia capillacea Gefiederter Tang Rhodophyceae
Ulva lactuca Meersalat Chlorophyceae

c) Auf den Primärdünen
 
Art Deutscher Name Familie
Agropyron junceum (L.) P.B. Strand-Quecke Poaceae

d) Vor und auf den Weißdünen
 
Art Deutscher Name Familie
Ammophila arenaria (L.) Link Strandhafer Poaceae
Cakile maritima Scopoli Meersenf Brassicaceae
Cirsium vulgare (Savi) Ten Gemeine Kratzdistel Asteraceae
Elymus arenarius L. Strandroggen Poaceae
Glaux maritima L. Milchkraut Primulaceae
Honckenya peploides (L.) Ehrh. Salzmiere Caryophyllaceae

e) Weg zurück zur Unterkunft über Grau- und Braundünen
 
Art  Deutscher Name Familie
Carduus nutans L.  Nickende Distel  Asteraceae
Erodium ballii Jord.  Dünen-Reiherschnabel Geraniaceae
Euonymus europaea L. Gew. Pfaffenhütchen  Celastraceae
Hippophae rhamnoides L.  Sanddorn Rhamnaceae
Lychnis flos- cuculi L. Kuckucks Lichtnelke Caryophyllaceae
Phragmites australis (Cav.) Tri Schilf Poaceae
Populus alba L. Silber-Pappel Salicaceae
Rosa canina L. Hunds-Rose Rosaceae
Rosa rugosa Thunb. Kartoffel-Rose Rosaceae
Rubus caesius L.  Kratzbeere Rosaceae
Salix repens L. Sand-Kriechweide Salicaceae
Sonchus arvensis L. Acker Gänsedistel Asteraceae 


Salzwiesen und Quellerfluren, 11.10.95

Protokollanten: Daniela Greulich, Meike Haas, Anne Schaafhausen, Kirsten Velden

Nach Ausleihen von Fahrrädern, Fahrt zu den Salzwiesen im Südosten der Insel, Vortrag über die Vegetation der Salzwiesen/Salzmarschen (Ursula Hüsgen).

Salztoleranz, Halophilie

Auf Standorten mit hohen Salzkonzentrationen kommen salztolerante Pflanzenarten vor, sogenannte Halophyten. Sie sind in der Lage, zu hohe Salzkonzentrationen im Cytoplasma sowie ein daraus resultierendes gestörtes Ionenverhältnis zu tolerieren, bzw. durch spezielle Mechanismen zu vermeiden oder zu minimieren. Dabei kann zwischen Ausschlußprinzipien (Salzfiltration und Transportunterbrechung) an der Wurzel und Ausscheidungsvorgängen durch Blattwurf (Aster tripolium), Salzdrüsen (Limonium vulgare) oder Blasenhaare (Halimione portulacoides) unterschieden werden. Das Wasserpotential des Bodens ist durch die hohe Konzentration an Salzionen stark erniedrigt und kleiner als das der Pflanze. Daraufhin besteht für die Pflanze zusätzlich das Problem, Wasser aufnehmen zu können. So finden sich bei Halophyten typische Anpassungsformen trockenresistenter Pflanzen wie Sukkulenz und reduzierte Blattspreiten (Salicornia, Cakile). Sukkulenz läßt sich auch im Rahmen einer Verdünnung zu hoher Salzkonzentrationen sehen, die in der Vakuole gespeichert werden, um die cytosolische Salzkonzentration niedrig zu halten. Um das Wasserpotential des Bodens zu unterschreiten und damit die Wasseraufnahme zu ermöglichen, erhöhen Halophyten ihr osmotisches Potential.

Pflanzengesellschaften

Je nach Einfluß des Tidenhubs und dem damit verbundenen Salzgehalt des Bodens sind im Gebiet typische Pflanzengesellschaften am Rand der Wattflächen und in den Salzwiesen ausgebildet. In den euhalinen wechselfeuchten Bereichen des mittleren Tidenhubs bis 40 cm darunter ist die artenarme Schlickqueller-Gesellschaft (Salicornietum strictae) angesiedelt. In Mulden, Erosionsbereichen und an Prielrändern in Zonen des mittleren Tidenhubs tritt die einjährige Dauergesellschaft des Vorlandquellers (Salicornietum ramosissimae) auf. Oberhalb des mittleren Tidenhubs siedeln sich die Gesellschaft des Flugsand-Quellerwatts (Salicornietum decumbentis) und die einjährigen Initialgesellschaften mit der Strandsode (Suaeda maritima) an. In der Schlickgrasgesellschaft (Spartinetum anglicae) zwischen 40 cm unter bis 20 cm über dem mittleren Tidenhub bildet das Schlickgras (Spartina anglica) horstartige kniehohe Bestände aus. So wirkt es als Schlickfänger und wurde ab 1927 im Bereich des Wattenmeers an der Nordseeküste angesiedelt. In Bereichen oberhalb des mittleren Tidenhubs, in denen schon eine 20 cm hohe Schlickschicht angereichert wurde, siedelt sich das Andelgras (Puccinellia maritima) an, das bereits zu den Watt- oder Salzwiesen gehört, die die Quellergesellschaften landeinwärts schließlich mit dem Salzmeldenrasen (Halimionetum portulacoides) und den artenreicheren (Juncus gerardii, Limonium vulgare, Armeria maritima, Glaux maritima) Salzbinsen- oder Bottenbinsenrasen (Juncetum gerardii) ablösen. Letztere werden nur noch 40 bis 70 mal im Jahr überflutet.

a) Salzwiesen und Quellerfluren im Bereich der Priele
 
Art  Deutscher Name  Familie
Armeria maritima (Mill.) Wi  Strand-Grasnelke  Plumbaginaceae
Artemisia maritima L.  Salz-Beifuß  Asteraceae
Aster tripolium L. Strand-Aster Asteraceae
Atriplex prostrata Bouch. Spieß-Melde Chenopodiaceae
Halimione portulacoides (L.) Strand-Salzmelde Chenopodiaceae
Juncus gerardii Loisel. Bodden-Binse Juncaceae
Juncus maritimus Lamk. Strand-Binse Juncaceae
Plantago maritima L. Strand-Wegerich Plantaginaceae 
Puccinellia maritima (Huds.) Pa  Strand-Salzschwaden Poaceae 
Salicornia europaea L. Queller Chenopodiaceae
Sonchus oleraceus L. Kohl-Gänsedistel Asteraceae
Spartina anglica Hubb.  Schlickgras  Poaceae
Suaeda maritima (L.) Dum. Sode Chenopodiaceae

b) Salzwiesen südlich der Dünen
 
Art  Deutscher Name Familie
Bolboschoenus maritimus (L.) Strandsimse Cyperaceae 
Glaux maritima L. Milchkraut Primulaceae
Honckenya peploides (L.) Ehrh. Salzmiere Caryophyllaceae
Limonium vulgare Mill. Strandflieder Plumbaginaceae
Lotus tenuis W. et Kit. Schmalbl. Hornklee Fabaceae
Oenothera parviflora L. Kleinblüt. Nachtkerze Onagraceae
Salicornia europaea L. Queller  Chenopodiaceae
Spartina anglica Hubb. Schlickgras Poaceae


Pflanzengesellschaften der Dünen, 12.10.95, vormittags

Protokollanten: Katja Baumer, Birgit Krämer, Christine Remmers

Wanderung am Leuchtturm vorbei zu den Dünen im Nordwesten der Insel. Vortrag über die Dünenentstehung (Regina Hiltawsky) und Vorstellung der Sukzession der Pflanzengesellschaften bei der Dünenbildung (Xeroserie).

Abbildung 1: Abfolge der Dünen vom Meer zum Inland (nach Ellenberg, 1986)

Übersicht der Vegetationsentwicklung bei der Dünensukzession
 
allgemeine Beschreibung pH-Wert Humusgehalt/ Salzgehalt Charakterarten  Beispiele pflanzen- soziologischer Gesellschaften
Vor- dünen  meist wenige cm hohe Anhebungen (max. 1 m) im Bereich der see- wärtigen Strand-ebene, teilweise mit dünner Schlickauflage 

- Pflanzen wirken als Sandfänger 

- verzweigte Wurzelsysteme festigen den losen Sand

stark basisch (>pH 7), da CaCO3-Anteil aufgrund der Muschelschalen- Sedimente recht hoch ist  Sand infolge der häufigen Überflutungen stark salzhaltig. Hohes Nährstoffangebot durch Windeintrag. Agropyron junceum 
Honckenya peploides
Assoziation: 

Agropyretum juncei

Verband: 

Agropyron- Honckenion- peploides

Weiß- Dünen bis zu 20 m hohe Anhäufungen, Auswaschungs- prozeß von NaCl und CaCO3 setzt ein. 

-Zwischen dem lockeren Bewuchs scheint der namengebende weiße Sand sichtbar. 

-In alternden Dünen Beginn der Humusauflage

Absinken auf Werte um pH 4 Salz- und Brackwasser- Einfluß außerhalb des Wurzelraumes, Auswaschung der Salze durch Regen, Nährstoffangebot eingeschränkt, Ausgleich durch ausgedehnte Wurzel- und Rhizomsysteme (Tiefwurzler) Ammophila arenaria 
Elymus arenarius 
Eryngium maritimum 
Lathyrus maritimus 
Oenothera parviflora 
Calystegia soldanella 
Cakile maritima
Assoziation: 

Elymo- Ammophiletum arenariae 

Verband: 

Ammophilion arenariae

Grau- Dünen kahle Zwischenräume im Bewuchs nur selten, Moosbewuchs. Pflanzen sind weniger an Trockenheit und Sandüberwehung angepaßt. meist unter pH 4 je nach Grad der Entkalkung Auswaschungs- prozesse und Beginn der Humusauflagerung führen zur Entstehung eines grau gefärbten A-Horizontes im Oberboden, Entkalkung schreitet deutlich voran, Nährstoffangebot minimal, da der Wind über die hohen Weißdünen nicht viel eintragen kann. horstartig wachsende Gräser (Flachwurzler) je nach Kalkgehalt des Bodens auch Gebüsche Festuca rubra
Koeleria albescens
Corynephorus canescens 
Erodium ballii 
Hippophae rhamnoides (Frankia- Symbiose)
Salix repens 
Rosa rugosa 
Sambucus nigra 
Assoziation: 

Festuco- Galietum veri 

Verband:

Koelerion albescentis

Assoziation: 

Salici arenariae- Hippophaetum rhamnoides

Verband: 

Salicion arenariae

Braun- Dünen Bodenbildung weit fortgeschritten, kennzeichnend: primäre Heidegesellschaft, Sanddorn, evtl. Dünenweiden- gebüsche pH sehr sauer, Bodenkalk z.T. bis zu einem Minimum abgesunken aus anorganischen Komponenten werden sekundäre Tonmineralien aufgebaut (Wasser und Ionenspeicher), Auswaschung von Fulvosäuren bewirkt Braunfärbung Calluna vulgaris 
Empetrum nigrum 
Polypodium vulgare 
Salix repens 
Betula pendula
Sorbus aucuparia
Populus tremula
Assoziation: 

Hieracio- Empetretum 

Verband: 

Empetrion boreale

a) Primärdünen am Nordstrand
 
Art Deutscher Name Familie
Agropyron junceum (L.) P.B. Strand-Quecke Poaceae

b) Weißdünen
 
Art Deutscher Name Familie
Ammophila arenaria (L.) Link Strandhafer Poaceae
Cakile maritima Scopoli  Meersenf Brassicaceae
Cirsium vulgare (Savi) Ten Gemeine Kratzdistel Asteraceae
Elymus arenarius L. Strandroggen  Poaceae
Eryngium maritimum L. Stranddistel Apiaceae

c) Graudünen
 
Art  Deutscher Name  Familie
Centaurium littorale (L.) Gilm.  Tausendgüldenkraut  Gentianaceae
Erodium ballii Jord.  Dünen-Reiherschnabel Geraniaceae
Hippophae rhamnoides L.  Sanddorn  Rhamnaceae
Juncus maritimus Lamk.  Strand-Binse Juncaceae
Mentha aquatica L. Wasser-Minze Lamiaceae 
Oenothera parviflora L. Kleinblüt. Nachtkerze  Onagraceae
Parnassia palustris L. Sumpf-Herzblatt  Parnassiaceae
Prunella vulgaris L. Kleine Braunelle  Lamiaceae 
Rubus caesius L. Kratzbeere Rosaceae
Salix repens L. Sand-Kriechweide  Salicaceae 
Samolus valerandi L. Salzbunge Primulaceae
Sedum acre L. Scharfer Mauerpfeffer Crassulaceae
Solanum nigrum L. Schw. Nachtschatten Solanaceae

d) Braundünen
 
Art Deutscher Name Familie
Betula pendula Roth. Hänge-Birke Betulaceae
Crataegus monogyna Jacq. Eingriffliger Weißdorn Rosaceae
Phragmites australis (Cav.) Tri Schilf Poaceae 
Sonchus arvensis L. Acker-Gänsedistel  Asteraceae

e) Auf den Graudünen und am Wegrand
 
Art  Deutscher Name  Familie
Alnus glutinosa (L.) Gaert  Schwarz-Erle  Betulaceae
Geranium molle L. Weich. Storchschnabel Geraniaceae
Picaea abies (L.) Karsten Gemeine Fichte Pinaceae
Pinus sylvestris L. Wald-Kiefer  Pinaceae
Populus alba L.  Silber-Pappel  Salicaceae
Rosa canina L. Hunds-Rose Rosaceae
Rosa rugosa Thunb.  Kartoffel-Rose Rosaceae 
Sambucus nigra L.  Schwarzer Holunder Caprifoliaceae
Senecio jacobaea L.  Jakobs-Greiskraut Asteraceae
Sorbus aucuparia L. Eberesche Rosaceae
Stellaria longifolia Muehlenb.  Langbl. Sternmiere  Caryophyllaceae
Verbascum phlomoides L.  Königskerze  Scrophulariaceae
Viburnum opulus L.  Gewöhnl. Schneeball  Caprifoliaceae


Wattbegehung, 12.10.95, nachmittags

Protokollanten: Heiko Nonnemann, Christiane Spieker, Meike Sörgel

Fahrt in den Süden der Insel, Wattwanderung, Vorstellung der Wattfauna und Flora im Watt auf der Küstenseite.

a) Fauna im Watt
 
Art  Deutscher Name  Stamm
Arenicola marina Wattwurm  Annelida
Balanus balanoides Gemeine Seepocke  Arthropoda
Carcinus maenas Strandkrabbe Arthropoda
Cerastoderma edula Eßbare Herzmuschel Mollusca
Echinocardium cordatum Kleiner Herzigel Echinodermata
Ensis ensis Schwertmuschel Mollusca 
Lanice conchilega Bäumchenröhrenwurm Annelida 
Littorina littorea Eßbare Strandschnecke Mollusca 
Littorina littoralis Flache Strandschnecke Mollusca
Mytilus edulis Miesmuschel  Mollusca 
Nereis diversicolor Seeringelwurm Annelida 
Pholas dactylus Gew. Bohrmuschel Mollusca

b) beobachtete Vögel
 
Art  Deutscher Name  Familie
Anas acuta Spießente Anatidae
Anas platyrhynchos Stockente Anatidae
Branta bernicla Ringelgans Anatidae
Calidris alpina Alpenstrandläufer Scolopacidae
Haematopus ostralegus Austernfischer  Haematopodidae
Larus argentatus Silbermöwe Laridae
Larus ridibundus Lachmöwe Laridae
Numenius arquata Großer Brachvogel Scolopacidae
Recurvirostra avosetta Säbelschnäbler Recurvirostridae
Tadorna tadorna Brandgans Anatidae
Tringa totanus Rotschenkel  Scolopacidae
Vanellus vanellus Kiebitz  Charadriidae

c) Algen im Watt
 
Art Deutscher Name
Chaetomorpha linum Borstenhaar Chlorophyceae
Fucus vesiculosus Blasentang Phaeophyceae
Pterocladia capillacea Gefiederter Tang Rhodophyceae
Ulva lactuca Meersalat Chlorophyceae


Deich, Süßwassersee und Salzwiesen, 13.10.95, vormittags

Protokollanten: Karla Billion, Iris Oguz

Fahrt zum Süßwassersee im Süden der Insel, Vorstellung der Flora im Uferbereich. Wiederholung der Vegetation der Salzwiesen in der Salzmarsch am Südwestende der Insel. Vortrag über die Prinzipien der Pflanzensoziologie am Beispiel der Quellerfluren und Andelrasengesellschaft (Oliver Schmitz).

a) Auf dem Deich
 
Art Deutscher Name Familie
Achillea millefolium L. Gew.Wiesenschafgarbe Asteraceae
Potentilla erecta (L.) Räusch Blutwurz  Rosaceae 
Stellaria longifolia Muehlenb.  Langbl. Sternmiere Caryophyllaceae

b) Abgang vom Deich zum Süßwassersee
 
Art  Deutscher Name  Familie
Alnus glutinosa (L.) Gaert  Schwarz-Erle  Betulaceae
Convolvulus arvensis L.  Ackerwinde  Convolvulaceae
Crataegus monogyna Jacq.  Eingriffliger Weißdorn  Rosaceae
Hydrocotyle vulgaris L.  Wassernabel Hydrocotylaceae 
Juncus articulatus L. Glanzfrüchtige Binse  Juncaceae 
Lycopus europaeus L. Ufer-Wolfstrapp Lamiaceae 
Phragmites australis (Cav.) Tri  Schilf Poaceae
Ranunculus repens L. Kriech. Hahnenfuß Ranunculaceae 
Rosa rugosa Thunb. Kartoffel-Rose  Rosaceae 
Salix alba L.  Silber-Weide  Salicaceae 
Salix repens L. Sand-Kriechweide  Salicaceae 
Salix viminalis L.  Korb-Weide  Salicaceae 
Solanum dulcamara L.  Bitters. Nachtschatten Solanaceae 
Sorbus aucuparia L. Eberesche  Rosaceae

c) Salzwiese am Süd-West-Ende der Insel
 
Art  Deutscher Name  Familie
Aster tripolium L.  Strand-Aster  Asteraceae 
Atriplex prostrata Bouch. Spieß-Melde  Chenopodiaceae 
Bolboschoenus maritimus (L.)  Strandsimse  Cyperaceae 
Halimione portulacoides (L.)  Strand-Salzmelde  Chenopodiaceae
Limonium vulgare Mill.  Strandflieder  Plumbaginaceae 
Plantago maritima L. Strand-Wegerich  Plantaginaceae
Salicornia europaea L. Europäischer Queller  Chenopodiaceae 
Sonchus oleraceus L. Kohl-Gänsedistel  Asteraceae 
Spartina anglica Hubb.  Schlickgras  Poaceae 
Suaeda maritima (L.) Dum. Sode  Chenopodiaceae


Dünentäler und Süßwassertümpel, 13.10.95, nachmittags

Protokollanten: Günter Körner, Dimitri Tränkner

Vorstellung der Vegetation im Dünental mit kleinen Süßwassertümpeln.

Dünentäler und Süßwassertümpel
 
Art  Deutscher Name  Familie
Asparagus officinalis L.  Spargel  Asparagaceae
Carex laevigata Sm.  Glatte Segge  Cyperaceae
Cerastium holosteoides Fries  Gew. Hornkraut Caryophyllaceae
Eriophorum gracile Koch ex Ro  Schlankes Wollgras  Cyperaceae
Euphrasia minima Jacq.  Zwerg-Augentrost  Scrophulariaceae
Hydrocotyle vulgaris L.  Wassernabel  Hydrocotylaceae
Juncus articulatus L.  Glanzfrüchtige Binse Juncaceae
Lychnis flos-cuculi L. Kuckucks Lichtnelke  Caryophyllaceae
Lycopus europaeus L.  Ufer-Wolfstrapp  Lamiaceae
Lythrum salicaria L.  Blut-Weiderich  Lythraceae
Mentha aquatica L.  Wasser-Minze  Lamiaceae
Myosotis palustris L.  Sumpfvergißmeinicht  Boraginaceae
Nasturtium officinale R.Br.  Echte Brunnenkresse  Brassicaceae
Polypodium vulgare L.  Gew. Tüpfelfarn  Polypodiaceae
Potentilla anserina L. Gänse-Fingerkraut  Rosaceae 
Potentilla erecta (L.) Räusch Blutwurz Rosaceae
Ranunculus flammula L. Brenn. Hahnenfuß  Ranunculaceae 
Ranunculus reptans L. Ufer-Hahnenfuß  Ranunculaceae 
Ranunculus sceleratus L.  Gift-Hahnenfuß  Ranunculaceae
Salix caprea L. Sal-Weide  Salicaceae 
Trifolium pratense L.  Rot-Klee  Fabaceae 
Vicia tenuifolia Roth.  Dünnblättrige Wicke  Fabaceae


Liste der während der Exkursion beobachteten Vögel

Protokollantin: Christine Remmers

a) Nordküste
 
Art Deutscher Name Familie
Anas platyrhynchos Stockente Anatidae
Calidris alpina Alpenstrandläufer  Scolopacidae
Haematopus ostralegus Austernfischer Haematopodidae
Larus argentatus Silbermöwe Laridae
Larus ridibundus Lachmöwe Laridae
Podiceps cristatus Haubentaucher Podicipedidae
Somateria mollissima Eiderente Anatidae

b) Ostküste
 
Art Deutscher Name Familie
Calidris alpina Alpenstrandläufer Scolopacidae
Circus cyaneus Kornweihe Accipitridae
Corvus monedula Dohle Corvidae
Haematopus ostralegus Austernfischer Haematopodidae
Larus argentatus Silbermöwe Laridae 
Larus ridibundus Lachmöwe Laridae
Somateria mollissima Eiderente Anatidae
Sturnus vulgaris Star Sturnidae

c) Wattenmeer
 
Art  Deutscher Name  Familie
Anas acuta  Spießente  Anatidae
Anas penelope Pfeifente  Anatidae
Anas platyrhynchos Stockente  Anatidae
Arenaria interpres Steinwälzer Scolopacidae 
Branta bernicla Ringelgans  Anatidae
Calidris alpina Alpenstrandläufer Scolopacidae
Cygnus spec. Schwan  Anatidae 
Haematopus ostralegus Austernfischer Haematopodidae
Larus argentatus Silbermöwe Laridae
Larus ridibundus Lachmöwe Laridae
Numenius arquata Großer Brachvogel  Scolopacidae 
Phalacrocorax carbo Kormoran Phalacrocoracidae
Somateria mollissima Eiderente Anatidae
Tadorna tadorna Brandgans Anatidae 
Tringa totanus  Rotschenkel Scolopacidae

d) Süßwassersee
 
Art Deutscher Name Familie
Anas penelope Pfeifente Anatidae
Anas platyrhynchos Stockente Anatidae
Larus argentatus Silbermöwe Laridae
Larus ridibundus Lachmöwe Laridae 
Regulus regulus Wintergoldhähnchen Regulidae

e) Wiesen und Felder
 
Art Deutscher Name Familie
Circus cyaneus Kornweihe Accipitridae
Corvus frugilegus Saatkrähe Corvidae
Corvus monedula Dohle Corvidae
Columba palumbus Ringeltaube  Columbidae
Gallinula chloropus Teichralle Rallidae
Motacilla alba Bachstelze Motacillidae
Pica pica Elster Corvidae
Phasianus colchicus Fasan  Phasianidae
Vanellus vanellus Kiebitz Charadriidae


Teilnehmerliste
 
Leitung: 
Teilnehmer: 
Dr. Wolfgang Zimmer  Bassenge, Anneli
Baumer, Katja
Billion, Karla
Greulich, Daniela
Haas, Meike
Hiltawsky, Regina 
Hüpper, Karin 
Hüsgen, Ursula 
Körner, Günter 
Krämer, Birgit
Lill, Ursula
Nonnemann, Heiko
Oguz, Iris 
Remmers, Christine
Schaafhausen, Anne
Sonnwald, Silke 
Sörgel, Meike
Spieker, Christiane
Trunkner, Dimitri 
Velden, Kirsten 
Zarn, Angelika 
Begleiter:
Gudrun Boison

Dr. Oliver Schmitz 


Literatur
 

Campbell, A.C. (1987) Der Kosmos-Strandführer: Das lebt im Meer an Europas Küsten. Franckh'sche Verlagshandlung, W. Keller & Co., Stuttgart

Ellenberg, H. (1986) Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen. 4. Aufl., Stuttgart

Heinzel, H., Fitter, R., Parslow, J. (1988) Pareys Vogelbuch: Alle Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin

Pott, R. (1992) Die Pflanzengesellschaften Deutschlands. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart

Pott, R. (1995) Farbatlas Nortseeküste und Nordseeinseln. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart

Rothmaler, W.; Schubert, R.; Werner, K.; Meusel, H. (1990) Exkursionsflora von Deutschland, Band 2 Gefäßpflanzen. Volk und Wissen Verlag GmbH, Berlin



updated by Peter Pipenbacher, (11.05.1999)